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Herborner Arbeits- und Begegnungsforum (ABF) beschäftigt sich mit Bindungstheorie

17.05.2017

Foto (Vitos Herborn): Von links: Professor Dr. Éva Hédervári-Heller aus Berlin, Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias Wildermuth und die leitende Diplompsychologin der Klinik Rehberg, Gabriele Swietlik.

Herborn, 17. Mai 2017 / Rund 200 Fachleute kamen am Freitag in den Festsaal von Vitos Herborn. Im Rahmen einer Weiterbildung zu den frühen Eltern-Kind-Interaktionsstörungen hatte die Vitos Klinik Rehberg zum 36. ABF eingeladen. Die international renommierte Vertreterin der Bindungsforschung, Professor Dr. Éva Hédervári-Heller aus Berlin, referierte über die Bindungstheorie und Behandlung von Eltern und kleinen Kindern.

„Es gibt keinen, der ohne Bindung ist. Aber woran er sich bindet und wie tief und qualitativ diese Bindung ist, das ist sehr viel komplexer, als wir uns vorstellen“, konstatierte Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias Wildermuth. In seiner Begrüßung gab er einen kurzen Einblick in die neusten Erkenntnisse der Bindungstherapie und stellte Aspekte zum Aufbau und der Aufrechterhaltung von Bindungen vor. Der Mensch sei das einzige Wesen, das eine bilaterale Bindung sichere. Das hieße aber nicht, dass sie deshalb auch gelänge. Und wer keine sichere Bindung habe, schaffe sich eine unsichere beziehungsweise fiktive. Wildermuth nannte als anschauliches Beispiel, dass Rumäniens Ex-Diktator Nicolae Ceaușescu für seinen Sicherheitstrupp Securitate junge elternlose Männer ausgewählt hatte. Sie waren stärker als andere bereit, sich von ihm binden zu lassen. Wildermuth betonte, dass Bindung ist nicht angeboren sei sondern erworben werde. Jedoch brauche sie haltgebende früheste Erfahrungen.

Professor Hédervári-Heller führte die Fachleute in ihrem Vortrag in die Elemente der Bindungstheorie ein. Hierbei ging es um die Bindungsorganisation, Erkundungs- und Trennungsverhalten sowie die Stärke und Qualität einer Bindung. „Weshalb die Bindung heute so groß geschätzt wird, hat damit zu tun, das eine gesunde frühkindliche Entwicklung die Grundlage für eine spätere gesunde Entwicklung ist“, so die Professorin, die an der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin lehrt und forscht. Dabei stellte sie klar, dass es ein Irrtum sei, zu glauben, dass die Bindung, die in der frühen Kindheit entstanden, eine Prägung sei und nicht mehr veränderbar. Dies stimme nicht. Auch sei Bindung nicht von Blutsverwandtschaft abhängig. Hier spiele die Erfahrung, Emotionalität, Fürsorge und Kontakt zum Kind eine Rolle. Für das Kind sei es also nicht wesentlich, ob es die leiblichen Eltern seien, sondern Personen, die die Signale des Kindes wahrnähmen: Die richtig und angemessen reagieren. „Die Feinfühligkeit dafür haben alle Erwachsenen, Frauen und Männer, nicht nur Mütter“, so Hédervári-Heller

Bindung ist ein gefühlsmäßiges Band zwischen einem Kind und seiner Vertrauensperson. Dabei können Bindungen bis ans Lebensende erhalten bleiben. Zum Beispiel wird ein Kind, dass früh seine Mutter verliert, nach einiger Zeit keine aktiven Erinnerungen mehr haben, aber durch Erzählungen wird die inzwischen entstandene Bindung aufrecht-erhalten. Diese Erkenntnis ist wichtig für die klinische Arbeit, wenn Kinder in Pflege genommen werden müssen. Die Entwicklung einer tragfähigen Bindung ist für die psychische Stabilität von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung. Sie reicht bis in die frühesten Anfänge der zwischenmenschlichen Beziehungen zurück. Eine sichere Bindung ist eine wesentliche Voraussetzung für gelingende Elternschaft. Insbesondere bei Formen früher mangelnder Gegenseitigkeit wird die Beziehungsfähigkeit gerade in belastenden Situationen teilweise erheblich eingeschränkt.

Im zweiten Teil des Forums wurde die Bindungstheorie anhand von Praxisbeispielen und Fallpräsentationen aus der ambulanten Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Psychotherapie besprochen.

Hintergrund:

Die Vitos Klinik Rehberg ist eine Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Sie bietet stationäre, tagesklinische sowie ambulante Aufenthalte für Kinder an, deren Alter zwischen 18 Monaten und 18 Jahren liegt. Die Schwerpunkte der Klinik sind z.B. emotionale, hyperkinetische bzw. neurotische Störungen, Identitätskrisen, Störungen des Sozialverhaltens sowie Beziehungs- und Bindungsstörungen sowie Psychosen.