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05. August 2026
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DBT in der klinischen Praxis: Mehr als eine Therapieform

Wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie sowohl Erkrankten als auch dem Klinikteam hilft

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) gilt als eines der etablierten Verfahren zur Behandlung von Menschen mit ausgeprägten Emotionsregulationsproblemen, wie zum Beispiel bei Borderline-Erkrankungen. Sie ist eine strukturierte Form der kognitiven Verhaltenstherapie und verspricht beste Behandlungserfolge. Doch was bedeutet die DBT eigentlich für die Menschen, die täglich damit arbeiten? Wir haben mal bei unseren Kolleginnen der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herborn nachgefragt. Ärztin Christine Koch, Psychologin Elina Lauer und die stellvertretende Stationsleitung Lena Bernt berichten von ihren Erfahrungen.

Frau Koch, was ist DBT eigentlich?

Christine Koch: DBT ist eine Therapieform, die Menschen dabei unterstützt, besser mit starken Gefühlen, Krisen und Belastungen umzugehen. Die Patientinnen und Patienten lernen praktische Strategien für den Alltag. Dazu gehören zum Beispiel der Umgang mit Stress, das Regulieren von Gefühlen und die Gestaltung von Beziehungen.

Was überzeugt Sie persönlich an der DBT?

Christine Koch: Ich schätze, dass die Wirksamkeit von DBT wissenschaftlich gut belegt ist. Das gibt mir Sicherheit in meiner Arbeit. Außerdem kann ich den Patientinnen und Patienten zeigen, dass Veränderung möglich ist und es Wege aus schwierigen Situationen gibt.

Besonders hilfreich finde ich das Konzept des „Wise Mind“. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass Gefühle und Verstand zusammenarbeiten. So können Menschen ausgewogenere Entscheidungen treffen.

Verändert DBT auch die Zusammenarbeit im Team?

Christine Koch: Ja, das erlebe ich so. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen stärker um eine gute Kommunikation bemühen. Außerdem werden Patientinnen und Patienten weniger in Schubladen gesteckt. Statt vorschnell zu urteilen, versuchen wir besser zu verstehen, warum Menschen in bestimmten Situationen so handeln.

Warum eignet sich DBT besonders gut für die Arbeit in einer Klinik?

Christine Koch: DBT wurde ursprünglich für Menschen entwickelt, die unter sehr schweren Krisen und Suizidgedanken leiden. Deshalb passt der Ansatz gut zur klinischen Versorgung.

Wichtig ist allerdings, dass man DBT als ganzes Konzept nutzt. Wenn man nur einzelne Methoden herausnimmt, gehen viele wichtige Bestandteile verloren. Dafür braucht es geschulte Mitarbeitende, ausreichend Zeit und ein motiviertes Team.

Welche Rolle spielt Kommunikation dabei?

Christine Koch: Eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis helfen dem ganzen Team. Gute Kommunikation macht die Zusammenarbeit konstruktiver. Dafür braucht es aber Zeit. Ich wünsche mir, dass im Stationsalltag mehr Raum für Gespräche eingeplant wird. Das sollte nicht nur vom persönlichen Engagement der Mitarbeitenden abhängen, sondern auch organisatorisch unterstützt werden.

Frau Lauer, was schätzen Sie an der DBT?

Elina Lauer: Für mich ist die klare Struktur besonders wichtig. Es gibt einen festen Rahmen, den wir den Patientinnen und Patienten erklären können. Wir wissen aus Studien, dass dieser Ansatz wirksam ist.Viele Menschen, die zu uns kommen, erleben innerlich viel Chaos. Die klare Struktur der DBT gibt ihnen Orientierung und Verlässlichkeit.

Hilft DBT auch im Umgang mit schweren Krisen?

Elina Lauer: Ja, sehr. Besonders bei Suizidgedanken bietet DBT hilfreiche Werkzeuge. Wir schauen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten genau hin: Was hat zu den Gedanken oder zur Krise geführt? Welche Gefühle und Situationen spielen eine Rolle?Das hilft dabei, Krisen besser zu verstehen und gezielter Unterstützung anzubieten.

Junge Frau mit gestreiftem Oberteil© Vitos

Elina Lauer

"Die klare Struktur der DBT gibt den Patientinnen und Patienten Orientierung und Verlässlichkeit", sagt Psychologin Elina Lauer.

© Vitos

Lena Bernt

"Die Methoden und die gemeinsame Haltung helfen dabei, auch in schwierigen Situationen ruhig und professionell zu bleiben", sagt Lena Bernt, stv. Stationsleitung.

Was unterscheidet DBT von anderen Therapieformen?

Elina Lauer: Zum einen die klare Struktur. Zum anderen die sogenannte Validierung.

Was bedeutet Validierung?

Elina Lauer: Validierung bedeutet, die Gefühle und Erfahrungen eines Menschen ernst zu nehmen. Das heißt nicht, dass man alles gutheißt. Aber man versucht nachzuvollziehen, warum jemand so fühlt oder handelt. Das stärkt die Beziehung zwischen Therapeutin oder Therapeut und Patientin oder Patient. Gleichzeitig schafft es die Grundlage für Veränderung.

Profitieren auch die Teams von der DBT?

Elina Lauer: Ja. In der DBT gibt es sogenannte Consulting Teams. Das sind regelmäßige Besprechungen, in denen verschiedene Berufsgruppen zusammenarbeiten. Verantwortung wird gemeinsam getragen und alle entwickeln eine ähnliche Haltung gegenüber den Patientinnen und Patienten. Das entlastet das Team und sorgt für mehr Sicherheit.

Frau Bernt, was bedeutet DBT für Ihre Arbeit in der Pflege?

Lena Bernt: DBT gibt mir Orientierung. Die Methoden und die gemeinsame Haltung helfen dabei, auch in schwierigen Situationen ruhig und professionell zu bleiben.Im Arbeitsalltag gibt mir DBT Struktur und Sicherheit. Sie unterstützt mich dabei, wertschätzend zu kommunizieren und gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten nach Lösungen zu suchen.

Welche Rolle spielen dabei die sogenannten Skills?

Lena Bernt: Skills sind einfache Übungen und Strategien, die helfen können, mit Stress oder starken Gefühlen umzugehen. Sie sind nicht nur für die Patientinnen und Patienten hilfreich. Auch wir als Pflegekräfte können von diesem Wissen profitieren. Es hilft uns, Grenzen zu setzen und gleichzeitig empathisch zu bleiben.

Hat DBT die Zusammenarbeit im Team verändert?

Lena Bernt: Ja, auf jeden Fall. Unser Team ist enger zusammengewachsen. Wir verfolgen einen gemeinsamen therapeutischen Ansatz. Dadurch gibt es mehr Austausch, klare Absprachen und eine verlässliche Kommunikation.Wir tragen Therapien, Krisen und Planungen gemeinsam. Das schafft Sicherheit und stärkt das Wir-Gefühl.

Welche Rolle hat die Pflege innerhalb der DBT?

Lena Bernt: Die Pflege ist ein wichtiger Teil des Behandlungskonzepts. Pflegefachkräfte begleiten die Patientinnen und Patienten jeden Tag und sind oft die ersten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Krisen.Wir helfen dabei, Stabilität aufzubauen, neue Fähigkeiten einzuüben und therapeutische Ziele im Alltag umzusetzen. Dabei erleben wir, dass Patientinnen und Patienten von klarer Kommunikation, Wertschätzung und Unterstützung auf Augenhöhe profitieren.

Zum Abschluss: Was macht DBT für den Klinikalltag besonders wertvoll?

Christine Koch: DBT gibt Hoffnung und schafft neue Perspektiven.

Elina Lauer: DBT bietet Struktur und Sicherheit – sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Mitarbeitende.

Lena Bernt: DBT stärkt die Zusammenarbeit im Team und unterstützt uns dabei, Menschen in schwierigen Lebenssituationen bestmöglich zu begleiten.

Gemeinsam: DBT ist für uns mehr als eine Therapieform. Sie prägt die Zusammenarbeit auf der Station, stärkt die Beziehungen zu den Patientinnen und Patienten und bietet Orientierung in herausfordernden Situationen. Dadurch profitieren nicht nur die Betroffenen, sondern das gesamte Team.

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