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22. Juli 2026
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Hirnstimulation

Hilfe bei Depressionen

Prof. Dr. Florian Metzger© Vitos / Foto: Paavo Blåfield
Prof. Dr. Florian Metzger bietet rTMS seit 2023 in der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina an.

Medikamente helfen nicht ausreichend, auch die Psychotherapie bewirkt kaum Verbesserungen – vor allem für schwer psychisch erkrankte Menschen können dann Verfahren der Hirnstimulation in Frage kommen. Vitos bietet sie inzwischen fast überall in Hessen an.

Der Patient ist im Rentenalter und leidet schon seit langer Zeit an einer mittelschweren bis schweren Depression. Sie lähmt seinen Antrieb, raubt seinen Lebensmut. Die medikamentöse Therapie schlägt bei dem über 70-Jährigen kaum an. „Der Patient hat sich bei uns ganz gezielt nach der rTMS erkundigt. Dass wir sie anbieten, war für ihn der Grund, zu uns in die Klinik zu kommen“, sagt Prof. Dr. med. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor des Vitos Klinikums Haina. rTMS, das ist die Abkürzung für repetitive transkranielle Magnetstimulation. Bei diesem Verfahren stimulieren oder dämpfen Magnetimpulse gezielt die Aktivität bestimmter Hirnregionen. Welche das genau sind, hängt vom Krankheitsbild ab. Vor allem bei Depressionen ist das Verfahren sehr gut erforscht und wird seit etwa 20 Jahren in der psychiatrischen Behandlung eingesetzt. Auch bei anderen psychischen Erkrankungen – zum Beispiel bei Angsterkrankungen oder akustischen Halluzinationen im Rahmen einer Schizophrenie – kann es eingesetzt werden.

rTMS: Schmerzfrei und fast ohne Nebenwirkungen

Magnetstimulation am Vitos Klinikum Haina© Vitos Haina
Präsentierten das neue Behandlungsverfahren bei seiner Einführung: Prof. Dr. Florian Metzger und Medizinische Fachangestellte Jeanette Humpert vom rTMS-Team der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina.

Die Fachklinik in Haina bietet rTMS seit 2023 vor allem für an Depression erkrankte Patient/-innen an. Bei der Behandlung sitzen die Patientinnen und Patienten in einem Sessel, während die elektromagnetische Spule an den Kopf gehalten wird. Die Behandlung dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei, der Patient bzw. die Patientin spürt davon nichts. Nebenwirkungen gibt es kaum, manchmal können vorübergehend Kopfschmerzen auftreten.

Prof. Metzger und sein Team haben gute Erfahrungen mit der rTMS gemacht: „Viele unserer Patientinnen und Patienten sprechen sehr gut auf diese Behandlung an. Klar, die Verbesserungen zeigen sich nicht vom ersten Tag an. Aber im Laufe der Behandlungsphase bessert sich der Zustand bei vielen deutlich.“ Eine Behandlungsphase dauert sechs Wochen und umfasst etwa 30 Sitzungen.

Bei dem über 70-jährigen Patienten zeigten sich schnell Verbesserungen. „Der Patient war zuvor sehr antriebslos und verschlossen. Die rTMS bewirkte, dass er sich öffnete, deutlich mehr Energie hatte. Es war wirklich schön zu sehen, wie er aus seiner Antriebslosigkeit herauskam“, schildert Metzger. Damit wurde der Boden bereitet für weitere Behandlungsbausteine, vor allem für die Psychotherapie. Für den Patienten bedeutete das kombinierte Behandlungssetting letztlich eine deutliche Verbesserung seiner depressiven Symptome.

Die hohe Wirksamkeit der rTMS hat sich herumgesprochen. Prof. Metzger stellt fest, dass zunehmend Patientinnen und Patienten aktiv danach fragen. „Wenn es um Hirnstimulation ging, gab es bei Patienten hierzulande lange Zeit Vorbehalte, auch Ängste“, sagt der Facharzt. Das betraf vor allem die EKT, also die Elektrokonvulsionstherapie. Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Stromimpulsen stimuliert, die Patient/-innen befinden sich währenddessen in Kurznarkose. Es gilt, insbesondere bei schwer erkrankten Menschen, als wirksame Ergänzung in der Behandlung. „Insgesamt stellen wir fest, dass die Akzeptanz der Stimulationsverfahren gestiegen ist. Dazu trägt die rTMS bei, denn die Hürden sind hier geringer. Schon allein, weil sie im Gegensatz zur Elektrokonvulsionstherapie eben nicht unter Narkose durchgeführt wird.“

Vitos bietet Verfahren an vielen Standorten in Hessen an

Hier bietet Vitos Stimulationsverfahren an© Vitos

Nicht nur in Haina, auch an anderen Standorten in ganz Hessen bietet Vitos Stimulationsverfahren an. Vorreiter war das Vitos Klinikum Heppenheim, das ein Stimulationszentrum aufgebaut hat. Aber auch andere Vitos Kliniken haben in den vergangenen Jahren damit begonnen, ihre Patientinnen und Patienten mit rTMS oder EKT zu behandeln (siehe Karte). „Das ist eine schöne Tendenz, weil die Stimulationsverfahren unser Behandlungsportfolio sehr sinnvoll ergänzen – mit wirklich guten Erfolgen für die Behandlung insbesondere schwer erkrankter Patientinnen und Patienten, die auf Medikamente oder andere Therapieformen nicht gut ansprechen“, sagt Metzger.

Hintergrund: Hirnstimulation

Hirnstimulationsverfahren sind neurowissenschaftliche Methoden, mit denen die Aktivität des Gehirns gezielt beeinflusst wird. Bei der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) wird das Gehirn mit Stromimpulsen stimuliert, die wenige Sekunden andauern. Der Patient bzw. die Patienten befindet sich während der EKT in einer Kurznarkose. Bei der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) wird mittels eines pulsierenden Magnetfelds gezielt auf Hirnaktivitäten eingewirkt, die aus der Balance geraten sind.

Mehr Informationen dazu gibt es hier.

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