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von Vitos
17. Dezember 2025
 12min
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Mental Load in der Weihnachtszeit

So kommst Du achtsam durch die Feiertage

Weihnachten ohne Perfektionsdruck: Wie wir mit Konflikten umgehen und unsere seelische Gesundheit stärken können

Weihnachten ist für viele Menschen eine emotional aufgeladene Zeit. Manche erleben Nähe, Verbundenheit und Wärme - andere spüren eher Stress, Einsamkeit oder das Wiederaufleben alter Konflikte. Besonders in herausfordernden seelischen Phasen können die Feiertage überwältigend wirken. Doch es gibt Wege, diesen Tagen mit mehr Gelassenheit und Selbstfürsorge zu begegnen. Wir haben dazu mal die besten Tipps unserer Vitos Expertinnen und Experten für Dich zusammengetragen.

Wenn Erwartungen auf Realität treffen

Merle Dammann, psychologische Psychotherapeutin der psychiatrischen Tagesklinik Idstein, betreut jedes Jahr viele Patient/innen, die mit Sorge auf das Weihnachtsfest mit ihren Familien blicken. Sie weiß, dass viele Konflikte entstehen, weil unsere Erwartungen so hoch sind oder mit den Erwartungen anderer kollidieren. Das Bild eines perfekten Familienfestes liegt wie ein Filter über allem. Wenn die Realität dann anders aussieht - wenn jemand gereizt ist, wenn ein altes, unangenehmes Thema aufkommt, wenn Traurigkeit auftaucht - fühlen sich Menschen schnell überfordert oder enttäuscht. Gerade hier kann ein zentraler Ansatz helfen: Radikale Akzeptanz. Sie bedeutet nicht, schwierige Situationen gutzuheißen, sondern anzuerkennen, dass sie da sind; dass Gefühle wie Überforderung, Trauer oder Ärger menschlich und erlaubt sind.

Sollte ein für Dich unangenehmes Thema auftauchen, darfst Du Dich abgrenzen, indem Du zum Beispiel sagst: „Über dieses Thema möchte ich heute lieber nicht sprechen.“

Chaos vorbeugen durch vorausschauende Planung

Ein weiterer Schlüssel liegt in guter Planung. Nicht im Sinne eines perfekt durchstrukturierten Tages, sondern als Möglichkeit, Stress zu reduzieren. Eine ruhige Vorbereitung kann verhindern, dass die Feiertage wie ein Strudel wirken und durch unterschiedliche Erwartungen Spannungen entstehen.

Hilfreich kann es sein, sich während der Feiertage an grundlegenden Säulen seelischer Stabilität zu orientieren. Prof. Dieter F. Braus, Klinikdirektor der Vitos Klinik Eichberg und Ärztlicher Direktor des Vitos Klinikums Rheingau, beschreibt in seinem Basisprogramm für seelische Gesundheit genau diese Grundpfeiler, die unser Wohlbefinden langfristig unterstützen:

  • Regelmäßiger, ausreichender Schlaf
  • Bewegung und Aktivität – schon kurze Spaziergänge verbessern Stimmung und Stressregulation
  • Ausgewogene Ernährung
  • Soziale Kontakte und Zugehörigkeit - in einem Maß, das sich gut anfühlt und nicht überfordert
  • Sinnvolle Tagesstruktur - sie gibt Halt
  • Achtsamer Konsum von Alkohol und Medien, um emotionale Überforderung zu vermeiden

Madlen Augustin, therapeutische Leiterin und Achtsamkeitstherapeutin am Vitos Klinikum Heppenheim, rät mehr im Jetzt zu sein und Achtsamkeit entstehen zu lassen: „Ob beim Einkaufen, Schmücken, Kochen oder Zusammenkommen – halte kurz inne und atme tief durch. Wie fühlt sich das an? Erlaube Dir, dass manches unvollkommen bleibt.“ Raus aus der Erwartungshaltung zu kommen und für sich selbst zu sorgen sei wichtig „Manchmal geht es nicht darum, sich besser zu fühlen, sondern besser im Fühlen zu werden. Den Blick bewusst auf das zu richten, was da ist: Menschen, Momente, Angenehmes und auch Unangenehmes.“

Weihnachten mit Sucht: Mentale Vorbereitung ist wichtig

Schwieriger kann die Weihnachtszeit für Menschen mit Suchtvergangenheit sein. Andrea Frisch, Sozialarbeiterin auf der Station für Suchterkrankungen bei Vitos Hochtaunus, rät zu „Wenn-dann-Strategien“: „Wenn bei der Familienfeier Alkohol angeboten wird, hole ich mir sofort ein alkoholfreies Getränk.“ Bei starker Rückfallgefahr sollten solche Situation aber vermieden werden.

Wichtig sei die mentale Vorbereitung. „Stell Dir bewusst vor, wie Du ruhig, klar und stolz bleibst, wenn andere trinken und feiern.“ Gleichzeitig rät die Expertin zu einem Notfallplan. „Kläre frühzeitig, mit wem Du Kontakt aufnehmen möchtest, wenn es Dir nicht gut geht oder der Suchtdruck zu hoch ist.“

Was hilft gegen Einsamkeit?

Nicht jeder Mensch kann in der Weihnachtszeit auf den Rückhalt von Familie und Freunden setzen. „Einsamkeit ist sowohl ein Mitauslöser als auch eine Folge vieler psychischer Erkrankungen“, sagt Lena Reitz, Psychologin der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina. Das könne für Menschen aller Altersgruppen zum Problem werden.

Die Weihnachtszeit könne sich für Menschen, die ohnehin schon Einsamkeit erlebten, bedrohlich anfühlen. Es gibt noch weniger Möglichkeiten für soziale Kontakte, wenn man nicht an der Arbeit ist und Vereine als Treffpunkt wegfallen.

Lena Reitz rät, sich für die Feiertage positive Unternehmungen einzuplanen. Es gibt in vielen Städten organisierte Weihnachtsessen. Ein Anlaufpunkt kann neben der Telefonseelsorge auch die digitale Landkarte des Kompetenznetzwerks Einsamkeit sein, auf der sich Anlaufstellen finden.

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