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Den Opfern gedenken

Datum:
Fachbereich:
Fachbereichsübergreifend
Gesellschaft:
Vitos Gießen-Marburg gGmbH

Förderverein Psychiatriemuseum und Vitos Gießen-Marburg erinnern am 1. September an den Krankenmord in Hessen

Gruppe vor Mahnmal

Gießen, 01. September 2025. Vitos Gießen-Marburg und der Förderverein Psychiatriemuseum nehmen den 1. September zum Anlass, an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde zu erinnern. Zwischen 1934 und 1945 wurden in vielen Einrichtungen – den Rechtsvorgängern von Vitos – Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen zwangssterilisiert oder ermordet.

Der erste September diente den Nationalsozialisten als Rechtfertigungszusammenhang, um die schon zuvor diskutierte „Euthanasie“ in die Tat umzusetzen. Sie richtete sich gegen Menschen mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen sowie gegen sozial marginalisierte Gruppen, deren Lebensweise nicht der NS-Ideologie entsprach.

Blumenstrauß und Schweigeminute
Gemeinsam gedachten die Geschäftsführung von Vitos Gießen-Marburg und der Vorstand des Fördervereins Psychiatriemuseum der ermordeten Patientinnen und Patienten. Am Mahnmal auf dem Klinikgelände in Gießen legten Max Heuchert (Geschäftsführer von Vitos Gießen-Marburg und Schatzmeister des Fördervereins), Dr. Michael Putzke (Vorsitzender des Fördervereins), Dr. Esther Abel (stellvertretende Vorsitzende), Herwig Groß (Vorstandsmitglied) und Marion Reeh (Vorstandsmitglied und Schriftführerin) einen Blumenstrauß nieder. „Rund 300.000 Menschen fielen der sogenannten Euthanasie im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Eine erschütternde Zahl – und der Beweis dafür, dass die Würde des Menschen im damaligen Deutschland antastbar war. Umso wichtiger ist es, dass wir auch heute – über 75 Jahre später – daran erinnern und daraus lernen“, betont Dr. Michael Putzke. Im Anschluss legten alle Beteiligten eine Schweigeminute für die Opfer ein.

Ein exemplarisches Schicksal: Paula S.
Paula S. wurde 1912 in Wirges im Westerwald geboren. Sie war verheiratet und hatte ein Kind. 1935 wurde sie mit der Diagnose Schizophrenie in die Landesheilanstalt Hadamar eingewiesen. Noch im selben Jahr erfolgte eine Zwangssterilisation im Krankenhaus Bad Ems.

Am 11. November 1942 wurde sie erneut eingewiesen – diesmal in die Landesheil- und Pflegeanstalt Gießen (heute Vitos Klinik Gießen). Dort blieb sie bis Ende Dezember, anschließend wurde sie in die Landesheilanstalt Weilmünster verlegt. In der Patientenakte hieß es: „Nach Mitteilung der Landesheil- und Pflegeanstalt Gießen bedarf Frau S. wegen eines schizophrenen Defektzustands voraussichtlich noch längere Zeit der Anstaltspflege.“

Am 29. September 1944 erfolgte die Verlegung nach Hadamar – dorthin, wo sie am 17. Oktober 1944 starb. Offizielle Todesursache: „Verfall bei Geisteskrankheit“. Tatsächlich wurden viele Patientinnen und Patienten zwischen 1942 und 1945 in Hadamar durch Überdosierung von Medikamenten, Mangelernährung oder extreme Vernachlässigung getötet. Paula S. wurde wie viele andere in einem Massengrab auf dem Anstaltsfriedhof Hadamar beerdigt. In der Benachrichtigung an ihren Ehemann hieß es lapidar: „Die Beisetzung erfolgte in aller Stille auf unserem Anstaltsfriedhof.“

In Hadamar wurden zwischen 1941 und 1945 etwa 15.000 Menschen ermordet.

Für Lokalgeschichte interessieren und Mitglieder gewinnen
Der Förderverein Psychiatriemuseum wurde 2017 gegründet, um die Finanzierung und Förderung des Museums zur Geschichte der Psychiatrie sicherzustellen. Vitos Gießen-Marburg unterstützt den Verein seit dessen Bestehen. „Gedenkarbeit hat bei Vitos einen hohen Stellenwert. Unser Standort in Gießen trägt eine besondere Verantwortung, da er viel über die Geschichte der Psychiatrie und auch über die Euthanasie-Verbrechen zu erzählen hat“, erklärt Max Heuchert, Geschäftsführer von Vitos Gießen-Marburg und Schatzmeister des Fördervereins.

Psychiatriemuseum Gießen öffnet regelmäßig seine Türen
Die Ausstellung „Vom Wert des Menschen. Die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Gießen 1911 bis 1945“ wurde am 21. März 1998 erstmals auf dem Gelände der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Gießen eröffnet.Sie befindet sich im Untergeschoss von Haus 10 (Licher Straße 106) und wird vom ehemaligen Oberarzt sowie Vorstandsmitglied Herwig Groß betreut. Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte der Gießener Heil- und Pflegeanstalt während der NS-Zeit und beinhaltet zudem eine Dauerausstellung der Künstler/-innen für Menschenrechte.Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr kostenlos besichtigen.

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