
Gießen, 30. Januar 2026. Vitos Gießen-Marburg und der Förderverein Psychiatriemuseum präsentieren am Donnerstag, 5. März 2026, um 18:30 Uhr im Festsaal auf dem Gießener Klinikgelände in Zusammenarbeit mit dem Theater mini-art das Stück „Ännes letzte Reise“ – eine dokumentarische Fiktion über ein lange verschwiegenes Kapitel deutscher Geschichte. Der Eintritt ist frei. Zuvor bietet der Förderverein eine Führung über das geschichtsträchtige Klinikgelände an. Die Anmeldung zur Veranstaltung ist bis zum 19. Februar 2026 per E-Mail an den Förderverein möglich.
Theater gegen das Vergessen: Das Schicksal von „Änne“
Das Theaterstück setzt sich mit einem der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte auseinander: dem Tausendfachen Mord an Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen während des Nationalsozialismus. Es schildert die Geschichte einer jungen Frau, die zur Zeit des NS-Regimes in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Mit großem Respekt erzählen die Darsteller in den verschiedenen Rollen der Mutter, des Lehrers, der Geschwister, Nachbarn, Ärzten und des Hauptcharakters Änne selbst mittels dokumentarischen Materials und Projektionen von Ännes erschütternder Lebensgeschichte bis zu ihrem Abtransport in eine Vernichtungsanstalt. Ausgangspunkt ist der dokumentierte Fall der Anna Lehnkering, liebevoll genannt Änne, die von 1936 bis 1940 Patientin in der Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau war und am 7. März 1940 in der Gaskammer in Grafeneck ermordet wurde.
Das Theater mini-art ist ein deutsch-niederländisches Theater mit Sitz in Bedburg-Hau (Nordrhein-Westfalen). Es schreibt, inszeniert und spielt Theaterstücke für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für die es mehrfach ausgezeichnet wurde.
Einladung zur Führung über das Gelände und durch die Gedenkausstellung
Vor Beginn der Aufführung bietet der Förderverein ab 16:30 Uhr eine exklusive Führung über das historische Gelände der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen sowie durch das Psychiatriemuseum an.
Die Ausstellung „Vom Wert des Menschen. Die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Gießen 1911 bis 1945“dokumentiert die Veränderungen für die Patientinnen und Patienten während der NS-Zeit: Zwangssterilisationen im Rahmen des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ sowie die Deportation von 261 Menschen zwischen Februar und Juni 1941 im Zuge der zentral organisierten Mordaktion „T4“. Nach einem Zwischenaufenthalt wurden sie in der Gaskammer der Tötungsanstalt Hadamar ermordet.
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Das Wichtigste im Überblick
Führung über das Klinikgelände, durch das Psychiatriemuseum und Theatervorstellung „Ännes letzte Reise“
- Wo & Wann
Donnerstag, 05. März 2026, Festsaal Vitos Gießen, Licher Str. 106, 35394 Gießen
- 16:30 Uhr bis 18:30 Uhr
Führung über das Gießener Gelände und durch die Gedenkausstellung „Vom Wert des Menschen“
Treffpunk vor dem Festsaal Gießen. (Teilnahme bei der Anmeldung zur Veranstaltung bitte angeben)
- 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr
Theaterstück „Ännes letzte Reise“ im Festsaal Gießen, inkl. anschließendes Bühnengespräch mit den Schauspielern im Festsaal Gießen.
Bitte via E-Mail bis zum 19.02.26 anmelden:
foerderverein.psychmuseum(at)vitos-giessen-marburg.de
Teilnehmerzahl begrenzt. Eintritt frei. Der Förderverein bittet um Spenden.
Bei Rückfragen: Tel. 0641 403 609
Parkplätze auf dem Gelände begrenzt vorhanden.
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Für den Förderverein und Vitos Gießen-Marburg ist die gesamte Veranstaltung eine Mahnung zur Achtung der Menschenrechte und zur verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit dem Anderen – ein Beitrag dazu, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät.
Am Donnerstagnachmittag findet zusätzlich eine exklusive Veranstaltung für die Mitarbeitenden des Klinikums statt, am darauffolgenden Freitag für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Gießen-Ost.
Für Lokalgeschichte interessieren und Mitglieder gewinnen
Der Förderverein Psychiatriemuseum wurde 2017 gegründet, um die Finanzierung und Förderung des Museums zur Geschichte der Psychiatrie sicherzustellen. Vitos Gießen-Marburg unterstützt den Verein seit dessen Bestehen. „Gedenkarbeit hat bei Vitos einen hohen Stellenwert. Unser Standort in Gießen trägt eine besondere Verantwortung, da er viel über die Geschichte der Psychiatrie und auch über die Euthanasie-Verbrechen zu erzählen hat“, erklärt Max Heuchert, Geschäftsführer von Vitos Gießen-Marburg und Schatzmeister des Fördervereins.
- Weitere Infos zum Förderverein Psychiatriemuseum
- Weitere Infos zur Gedenkausstellung „Vom Wert des Menschen“