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Sonja Kälberer: In der Forensik darf ich noch für meine Patienten Zeit haben

Sonja Kälberer arbeitet aktuell als Bildungsreferentin Pflege in der Vitos Akadmie. Zuvor war die Gesundheits- und Krankenpfleger in der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina beschäftigt. Berufsbegleitend hat sie den Abschluss als B.A. Psychiatric Nursing erworben. Im Interview spricht sie über die Arbeit als Pflegekraft im Maßregelvollzug. 

Warum haben Sie sich für eine Anstellung im Maßregelvollzug entschieden?

Die Arbeit in der forensischen Psychiatrie wird assoziiert mit großer Verantwortung und täglich neuen Herausforderungen in einem spannenden Umfeld. Und nach 22 Jahren in der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina kann ich sagen: Ja, so ist es. Aber das sind nicht die Hauptgründe, die für die Arbeit dort sprechen. Mir gefällt es, Menschen überdauernd zu begleiten und mit ihnen auf ihre Ziele hinzuarbeiten. In der Forensik darf ich noch für meine Patienten Zeit haben. In kaum einem anderen Berufsfeld setzt man sich so sehr mit Ethik, Normen und Werten auseinander, ohne dabei zu verurteilen.

Was ist Ihre Aufgabe als Pflegekraft?

Die Basis meiner Arbeit in der Forensik ist psychiatrische Pflege. Darauf aufbauend sorge ich für Sicherheit: sowohl innerhalb als auch außerhalb von Mauern. Die Menschen innerhalb der Klinik begleite ich beim (legalen) Überwinden dieser Mauern nach draußen. Die Menschen außerhalb der Klinik haben oft viel größere Probleme, ihre Vorurteile zu überwinden. Und doch gelingt auch das zuweilen: und beides macht mich zufrieden. 

Was spricht für die Arbeit in der forensischen Psychiatrie?

Ich löse gern interessante Probleme und habe Freude daran, den pflegerischen Blick auf die Ressourcen und Positives unserer Patientinnen und Patienten zu lenken – statt an Risiken und Nebenwirkungen zu verzweifeln.

Welche Rolle nimmt die Pflege im multiprofessionellen Team der Klinik ein?

Den Austausch mit den anderen Berufsgruppen empfinde ich als Gelegenheit, die Sichtweise der Pflege selbstbewusst zu vertreten. Durch großzügige Möglichkeiten zu Fort- und Weiterbildung bis hin zur Akademisierung hat auch Pflegewissenschaft ihren Platz in der forensisch-psychiatrischen Pflege gefunden. Ich bin zuversichtlich, dass die Tage von Pflegenden als reinen Hilfskräften auch andernorts gezählt sind.

Der Maßregelvollzug ist für viele Menschen eine Blackbox. Häufig fehlt das Wissen um den gesellschaftlichen Auftrag der Klinik: nämlich psychisch kranke Straftäter zu sichern und auf eine straffreie Zukunft vorzubereiten. Wie reagieren Menschen, wenn sie erfahren, dass Sie im Maßregelvollzug arbeiten?

Hast Du keine Angst? Das ist die übliche Frage von Fremden. Dann folgt die Bewertung: Das könnte ich nicht! Auf eine erstmal ablehnende Haltung folgt dann häufig offenes Interesse. Teil daran zu haben, dass Vorurteile sich auflösen, hat die Arbeit für mich auch immer interessant gemacht.

 

 

 

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