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Herzblut für die psychiatrische Pflege

Sie tragen Jeans, T-Shirt, Pullover. Keine Jogginganzüge. Und auch keine Schlafanzüge oder Nachthemden. Krücken sind nicht zu sehen – und auch keine Rollstühle. Sind es wirklich Patienten, die auf dem Stationsflur unterwegs sind? Oder Angehörige? So richtig krank sieht von den Männern und Frauen mittleren Alters jedenfalls niemand aus. Zumindest der Laie sieht das nicht. Ja, es sind Patienten. Kranke Menschen. „Sogar Schwerkranke“, sagt Lisa Hinkelthein. Denn auf der Akutstation der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina werden nur Erwachsene mit akuten psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Ängsten oder Zwängen behandelt. Und Menschen mit schweren psychischen Problemen oder Menschen in psychiatrisch behandlungsbedürftigen Lebenskrisen.

Lisa Hinkelthein erfüllt ebenso wenig das Bild einer typischen Krankenschwester wie die Patienten dieser Station denen eines Krankenhauses gleichen, in dem chirurgische oder internistische Diagnosen behandelt werden. Denn die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin trägt ebenfalls Jeans und ist lediglich durch ihren weißen Kasack, dem Namensschild mit Vitos Logo und dem eingesteckten Telefon als Mitarbeiterin auszumachen. Psychiatrie ist anders. Genau nach den Vorstellungen von Lisa Hinkelthein.

„Ich bin total glücklich, dass ich nach der Ausbildung einen Arbeitsvertrag von Vitos Haina angeboten bekommen habe“, sagt sie. „Denn während der Ausbildung habe ich Herzblut für die Psychiatrie entwickelt, und auch für die Vitos Klinik in Haina. Hier fühle ich mich total wohl.“ Und angekommen.

Einstieg mit einem Praktikum

Ein Job in der Gesundheitsbranche sollte es sein. Dieser Berufswunsch reifte bei Lisa Hinkelthein schon zum Ende ihrer Zeit an der Realschule. Die Beweggründe? „Die verschiedenen Krankheitsbilder haben mich interessiert.“ Vielleicht hatte auch ihre Oma Anteil daran. Sie ist dement. „Was es heißt, psychisch krank zu sein, kannte ich also schon von zuhause.“ Die junge Frau aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf entschied sich dazu, in einem Wohnheim für behinderte Menschen ein Praktikum zu absolvieren. Es folgte der Wechsel an ein berufliches Gymnasium in Marburg, an dem sie ihr Abi mit dem Schwerpunkt Gesundheit „baute“. Ein Praktikum in der Uni-Klinik in Marburg bestärkte sie darin, sich um einen Ausbildungsplatz zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu bewerben.

Bewerbungen sendete Lisa Hinkelthein an verschiedene Ausbildungsträger. „Ich war froh, als ich von der Vitos Schule für Gesundheitsberufe Oberhessen in Marburg die Zusage erhalten habe.“ Bei der Entscheidung für Vitos spielte auch der finanzielle Aspekt eine Rolle, gibt sie unumwunden zu. Das Ausbildungsgehalt sei höher als bei anderen Trägern. Lisa Hinkelthein findet es angemessen. „Ich glaube, dass die Ausbildung nicht besser als bei Vitos bezahlt werden kann.“

Grundsätzlich ist die dreijährige Ausbildung generalistisch ausgerichtet und befähigt ebenso zur Arbeit in einem psychiatrischen wie einem somatischen Krankenhaus, in dem körperliche oder organische Erkrankungen behandelt werden. Anfangs sei sie offen gewesen, welche Richtung sie nach den drei Jahren eingeschlagen werde. „Die Somatik hat mir viel Spaß gemacht.“ Und sie habe zunächst auch nicht gedacht, dass sie sich für die Psychiatrie entscheiden werde – trotz der guten Perspektive bei Vitos, dem mit 3.600 Betten und Plätzen größten Anbieter für die ambulante, teil- und vollstationäre Behandlung psychisch kranker Menschen in Hessen.

Doch im Verlauf der dreijährigen Ausbildung mit praktischen Einsätzen in verschiedenen Einrichtungen stellte sich dann heraus: „Mein Herz schlägt für die psychiatrische Pflege.“ Warum? Das Arbeiten in der Psychiatrie sei anders, in ihren Augen besser als in der Somatik. „Aufgrund des großen Zeitdrucks in einem somatischen Krankenhaus arbeitet man gefühlt häufig am Menschen vorbei.“ Das Gegenteil in der Psychiatrie: Aufgrund der längeren Verweildauern lerne man die Patienten besser kennen. „Die Psychiatrie ist keine Massenabfertigung. Hier habe ich mehr Zeit, mich wirklich um die Patienten zu kümmern.“ Unterschiede hat sie auch im Unterstützungsbedarf der Patienten ausgemacht. „Wenn jemand den Fuß gebrochen hat, dann heilt der irgendwann. Und man sieht dem Menschen die Erkrankung nicht mehr an. Bei einer psychiatrischen Erkrankung ist es andersherum. Sie ist dem Menschen nicht anzusehen, aber die Erkrankung ist längerfristig oder auch für immer vorhanden.“

In der somatischen Pflege lernt man, wie man mit einer Krankheit umgeht. In der psychiatrischen Pflege erwirbt man Menschenkenntnis.

Psychiatrie ist keine Massenabfertigung

An die drei Jahre im Klassenverbund in Marburg erinnert sich Lisa Hinkelthein gerne zurück. „Wir waren ein toller Kurs, haben privat viel zusammen unternommen. Und wir haben uns toll unterstützt.“ Als Auszubildende sei es nicht immer einfach, mit schwierigen Situationen umzugehen. „Aber der permanente Austausch in der Klasse und mit den Lehrern ist sehr wichtig.“ Als besonders hilfreich bewertet sie den kurzen Draht von Schule und Krankenhaus. „Die Verzahnung ist top. Man merkt einfach, dass alles versucht wird, um die praktischen Einsätze vorab bestmöglich in den Schulzeiten vorzubereiten.“

Dieses Miteinander zeichnet ihrer Meinung nach die Psychiatrie aus. „Das Verhältnis unter den Kollegen unterscheidet sich von dem in der Somatik. Man spricht mehr miteinander und trifft Entscheidungen zusammen.“ In diese Prozesse würden die Schüler integriert. „Vor allem in der Vitos Klinik in Haina habe ich mich immer wohl und aufgenommen gefühlt. Zur Akutstation in Haina hat Lisa Hinkelthein eine enge Beziehung entwickelt – schon während der Ausbildung. „Die Station ist besonders“, sagt sie und verweist auf die schwerkranken Patienten. „Kein Tag ist wie der andere.“ Bei aller Routine in den Abläufen gelte es sich permanent neu auf die Patienten einzustellen. Und mit ihnen umzugehen. Den Einsatz auf dieser Station bezeichnet sie als prägend. „Zu sehen, wie sich eine psychiatrische Erkrankung ausdrückt. Und dann über einen längeren Zeitraum den Genesungsprozess zu verfolgen – das war faszinierend.“ Noch heute findet sie es bemerkenswert, „wie klar ein Mensch wieder sein kann, wenn die drogenindizierte Psychose vorbei ist.“

Entsprechend groß war die Freude, als im Herbst feststand, dass es zu einer Festanstellung in der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie kommen wird. „In Haina fühle ich mich einfach am wohlsten. Und das Team der Station 10 ist wirklich toll.“

Zu den Besonderheiten ihrer Arbeit trägt ein gewisses Gefahrenpotenzial bei. „Nervenkitzel“, sagt Lisa Hinkelthein. Denn Patienten können aufgrund ihrer Erkrankung auch unberechenbar sein. „Hier habe ich gesehen, wie sich schwere Schizophrenien äußern und wie ein Wahn einen Menschen verändert.“ Doch für solche Momente fühlt sie sich top vorbereitet. Denn regelmäßige Schulungen sind Pflicht. Sie weiß genau, wie sie deeskalierend auf Patienten einwirken kann. Und dazu gehören manchmal auch scheinbare Kleinigkeiten: „Muss die Situation wirklich eskalieren, nur weil der Patient exakt in diesem Moment einen Pudding haben möchte? Oder gibt es nicht vielleicht doch für beide Seiten eine gute Lösung?“

Ich habe Menschenkenntnis erworben

In ihrem privaten Umfeld konnten nicht alle ihre Begeisterung für die tägliche Arbeit mit akut psychisch kranken Menschen teilen. „Aber mir macht die Arbeit einfach super viel Spaß“, sagt die 22-Jährige. Und sie prägt. „In der somatischen Pflege lernt man, wie man mit einer Krankheit umgeht. In der psychiatrischen Pflege erwirbt man Menschenkenntnis. Man sieht irgendwann, wie es den Patienten geht. Ich habe ein gesundes Maß an Empathie gelernt. Und diese Kompetenz verinnerlicht man und nimmt sie auch mit nach Hause. “

Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen. Jederzeit. Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen ist Lisa Hinkelthein ein Anliegen. Ein weiteres ist, für die Pflege eine Lanze zu brechen. Und dies tut sie im persönlichen Gespräch, wenn sie die schönen Facetten der Arbeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin betont. „Der Beruf ist so toll, weil man so viel erreichen kann: Menschen kommen richtig krank zu uns und verlassen in der Regel wieder richtig gut die Klinik.“ Und die Rahmenbedingungen stimmen – „zumindest bei Vitos“, sagt Lisa Hinkelthein. „Die Bezahlung ist im Vergleich supergut. Und die Perspektiven sind hervorragend.“

Während der dreijährigen Ausbildung hat Lisa Hinkelthein auch mit dem von Vitos angebotenen dualem Studium geliebäugelt. „Am Ende war mir persönlich die Doppelbelastung aber zu groß.“ Heute ist sie froh, diese Entscheidung exakt so getroffen zu haben. „Ich freue mich, auf Station Tag für Tag dazuzulernen und die in der Ausbildung gewonnenen Grundlagen zu festigen.“ Was in ein paar Jahren kommt? „Es gibt ja noch das weit verbreitete Vorurteil, dass man in der Gesundheits- und Krankenpflege nach der Ausbildung stehenbleibt. Das ist ja völlig falsch.“ Die 22-Jährige verweist auf die verschiedenen Möglichkeiten von Fort- und Fachweiterbildungen oder des berufsbegleitenden Studiums. „Auch das schätze ich an Vitos sehr: Man hat permanent die Möglichkeit der Weiterentwicklung.“

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