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Wie Demenz erkannt und behandelt wird

Datum:
Fachbereich:
Erwachsenenpsychiatrie
Gesellschaft:
Vitos Haina gGmbH

Vitos Haina hat die Vortragsreihe "Psyche und Seele" gestartet. Bei der Premiere sprach Prof. Dr. Florian Metzger über Behandlungsmöglichkeiten von Demenz.

© Vitos Haina
Professor Dr. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina, informierte zum Auftakt der Vortragsreihe „Psyche und Seele“ über Demenzerkrankungen, Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten.

Welche Formen von Demenz gibt es, wie lässt sich das Risiko einer Erkrankung verringern und welche Behandlungsmöglichkeiten stehen heute zur Verfügung? Diese und weitere Fragen beantwortete Prof. Dr. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina, bei einem Vortrag vor rund 90 Besucherinnen und Besuchern im Gemeindehaus an der Liebfrauenkirche in Frankenberg. Mit der Veranstaltung eröffnete Vitos Haina die neue Reihe „Psyche und Seele“.

Wann spricht man von einer Demenz?

Typisch sind Einschränkungen von Gedächtnis, Orientierung, Sprache oder Urteilsvermögen, die den Alltag deutlich beeinträchtigen. Halten diese Störungen mindestens sechs Monate an, kann eine Demenz vorliegen.

Wie häufig sind psychische Begleitsymptome?

Rund 90 Prozent der Betroffenen entwickeln psychische Störungen. Etwa die Hälfte leidet an Depressionen. Außerdem kommen Wahnvorstellungen, Angststörungen und aggressives Verhalten vor. „Manchmal kann ein aggressives Verhalten bei Demenz auch Folge von Hunger, Durst, Unterversorgung oder Schmerzen sein“, erklärte Prof. Metzger.

Welche Formen von Demenz gibt es?

Mit rund 60 Prozent ist die Alzheimer-Demenz am häufigsten verbreitet. Je etwa 15 Prozent der Erkrankten leiden an einer Lewy-Body-Demenz oder einer vaskulären Demenz. Die frontotemporale Demenz macht rund fünf Prozent aus, weitere fünf Prozent entfallen auf andere, seltenere Demenz-Formen.

Wie viele Menschen sind betroffen?

In Deutschland leben etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Das Risiko steigt stark mit dem Alter; Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Welche Risikofaktoren kennt man heute?

Eine gute Bildung im frühen Lebensdrittel senkt das Risiko um etwa fünf Prozent, weil dadurch das Gehirn resilienter wird. Im mittleren Lebensalter spielen Hörverlust, hoher Cholesterinspiegel, Depressionen, Kopfverletzungen, Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes eine Rolle. Im höheren Alter erhöhen soziale Isolation, Luftverschmutzung und Sehprobleme das Erkrankungsrisiko. „Bei der sozialen Isolation ist es die fehlende Stimulation, die sich negativ auswirkt“, sagte Prof. Florian Metzger.

Wie wird eine Demenz diagnostiziert?

Zur Diagnostik gehören eine körperliche, neurologische und psychische Untersuchung, Blut- und Liquordiagnostik (Nervenwasseruntersuchung), eine Bildgebung vom Kopf sowie ein EKG. Allerdings kann die Demenz lange im Körper schlummern, bis sie sich bemerkbar macht: 15 bis 20 Jahre können bis zu erkennbaren Auswirkungen vergehen. „Der eigentlichen Demenzerkrankung geht ein sehr langer Prozess voraus“, sagte Prof. Florian Metzger.

Welche Medikamente helfen?

Konventionelle Wirkstoffe sind Acetylcholinesterasehemmer wie Rivastigmin, Galantamin und Donepezil sowie der Glutamatmodulator Memantin. Sie können den Krankheitsverlauf verzögern, aber nicht stoppen. „Damit lässt sich etwa eine erforderliche Heimeinweisung um neun Monate hinauszögern.“ Pflanzliche Präparate aus Ginkgo sind laut Prof. Metzger nur gering wirksam. Als vielversprechend gelten Antikörper, die gezielt schädliche Beta-Amyloid-Eiweißablagerungen im Gehirn bekämpfen. Lecanemab ist seit September 2025 in Deutschland erhältlich. Das ähnlich wirkende Donanemab wurde bereits zugelassen, ist seit November verfügbar. Behandelt werden Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Die Therapie erfolgt im zweiwöchentlichen oder vierwöchentlichen Rhythmus per Infusion. Diese Behandlung wird unter anderem von der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina angeboten.

Was erleichtert den Alltag von Betroffenen?

Florian Metzger zeigte Beispiele aus der Demenzstation der Vitos Klinik Haina, die im Frühjahr 2026 bezogen wird: offene Regale, übersichtliche Möblierung und wohnliche Gestaltung fördern Orientierung und Aktivität. Rundläufe, zum Teil auch im Freien, oder Zugänge zu Gärten ermöglichen Bewegung. Schilder helfen bei der Orientierung, Reizüberflutung sollte vermieden werden. Im Bad erleichtern farbige Toilettensitze und Handläufe die Nutzung, während Gegenstände, die mit Toiletten verwechselt werden könnten, entfernt werden.

Wo gibt es Hilfe?

Eine Anmeldung zur Gedächtnissprechstunde in Haina ist telefonisch unter 06456-91311 möglich, im Rahmen derer auch die oben genannten neuen Medikamente eingesetzt werden. Unterstützung bietet auch die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft (www.deutsche-alzheimer.de).

Hintergrund: Vortragsreihe „Psyche und Seele“

Der nächste Vortrag findet am Montag, 19. Januar, um 19 Uhr im Martin-Luther-Haus in Bad Wildungen statt. Dr. Svenja Kräling, Leitende Psychologin, spricht über Zwangsstörungen.

Weitere Termine:

- Familienwohnen – ein Zuhause in Begleitung, Montag, 2. Februar, 19 Uhr, Martin-Luther-Haus Bad Wildungen

- Trauer und Depression – Ähnliche Symptome, verschiedene Krankheitsbilder, Montag, 2. März, 19 Uhr, Gemeindehaus Liebfrauenkirche Frankenberg

- Angst und Zwang aus medizinischer Sicht, Montag, 9. März, 19 Uhr, Bürgerhaus Korbach

- Trauma erkennen, verstehen, behandeln, Donnerstag, 19. März, 19 Uhr, Bürgerhaus Korbach

Weitere Informationen gibt es hier. 

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