© Vitos HainaAuf Einladung von Dr. Beate Eusterschulte, Ärztliche Direktorin der Vitos Klinik für Forensische Psychiatrie Gießen, und Susanne Heuser, Abteilungsleiterin Sozialdienst, tauschten sich rund 50 Fachkräfte aus 15 Nachsorgeeinrichtungen aus Stadt und Landkreis Gießen über Bildungs- und Therapiemöglichkeiten aus und vertieften ihre Zusammenarbeit.
„Teilhabe und Integration hinter und vor den Mauern“, war der Titel der Tagung. Der stellvertretende Ärztliche Direktor Dr. Stefan Möller erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen einer Unterbringung im Maßregelvollzug und gab Einblicke in die Grundlagen des Gewaltrisikos. Der Vortrag von Dr. Möller wurde durch weitere Beiträge zu Behandlungskonzepten im Maßregelvollzug und zu den Besonderheiten forensischer Patientinnen und Patienten ergänzt.
Im Anschluss stellte Katja Löffler von der Klinikschule die besonderen Herausforderungen in der Arbeit mit forensischen Patientinnen und Patienten dar. Neben den drei Arbeitsschwerpunkten „Deutsch als Fremdsprache“, „Elementarkurse“ und „begleitete Bildungsmaßnahmen“ wurde die Relevanz der Klinikschule für die Patienten erläutert. Das SPRINT-Projekt zum Spracherwerb für Patient/-innen mit Migrationshintergrund wurde aufgrund der steigenden Fallzahlen ausländischer Patient/-innen besonders betont. Zum Abschluss wurden konkrete Unterrichtsbeispiele vorgestellt.
Susanne Heuser, Abteilungsleiterin Sozialdienst, skizzierte die Bedingungen einer Entlassung aus dem Maßregelvollzug und hob die wissenschaftlich belegte Bedeutung einer Tagesstruktur hervor. Einblicke in die Angebote der Ergotherapie sowie in externe Bildungsangebote der Kooperationspartner rundeten den Beitrag ab. Ein besonderes Augenmerk lag auf der guten Kooperation mit den Nachsorgeträgern und der Notwendigkeit eines engen Austausches der beteiligten Akteure. Fazit des Vortrags: Eine gut etablierte Tagesstruktur ist essenziell für die Resozialisierung und hat eine zentrale Rolle in der Rückfallprävention.
Im vierten und letzten Vortrag schilderte Heidi de Pers, Leiterin Co-Therapien, die Geschichte der Forensik sowie Möglichkeiten der Arbeits- und Beschäftigungstherapie in der Klinik. Neben den Grundlagen der Ergotherapie wurden vielfältige Angebote der klinikinternen Ergotherapie vorgestellt, darunter Schreinerei und Schlosserei, sowie umfangreiche Programme der Sport- und Bewegungstherapie. Das Co-therapeutische Programm wird durch Musiktherapie und tiergestützte Therapien ergänzt, unter anderem durch Therapiehund Eddie und die Wetterau-Alpakas.
Ein Rundgang durch den Bereich der Ergotherapie und der Sporthalle rundete die Veranstaltung ab. Die Teilnehmenden bewerteten die Tagung als informativ und positiv. Im Anschluss fand ein informeller Ausklang vor dem offenen Bereich der Arbeitstherapie am Haus 14 statt, bei dem im Rahmen eines Imbisses weitere Fragen geklärt, Kooperationen vertieft und der Ergo-Shop besichtigt wurden.