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"Wir behandeln hier keine Symptome, wir behandeln das Leben“

Datum:
Fachbereich:
Erwachsenenpsychiatrie
Gesellschaft:
Vitos Hochtaunus gGmbH

Vitos Klinik Bamberger Hof blickt zurück auf 50 Jahre Sozialpsychiatrie in Frankfurt

Ein halbes Jahrhundert im Dienst der psychischen Gesundheit: Die Vitos Klinik Bamberger Hof feiert 2026 ihr 50-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wurde gestern mit rund 100 geladenen Gästen gefeiert, darunter viele Wegbegleiter und Netzwerkpartner.

Reihe hinten, von links: Reinhard Belling (Vorsitzender Vitos Konzerngeschäftsführung), Stefan Sydow (Leiter der Abteilung IV Gesundheit des Hessischen Ministeriums für Familie, Pflege, Sport und Gesundheit),
Reihe Mitte, von links: Prof. Dr. Ansgar Klimke (Ärztlicher Direktor Vitos Hochtaunus), Max Heuchert (Geschäftsführer Vitos Hochtaunus), Dr. Barbara Bornheimer (Fachärztin und ehemalige Klinikdirektorin, Vitos Klinik Bamberger Hof), Dr. Sabine Kreß (Klinikdirektorin Vitos Klinik Bamberger)
Vorne: Bernd Kuschel (Pflegedirektor Vitos Hochtaunus)

Seit ihrer Gründung im Jahr 1976 begleitet die Klinik Menschen mit psychischen Erkrankungen auf ihrem Weg zu Stabilität, Selbstvertrauen und Lebensqualität. Dies würdigte Stefan Sydow, Leiter der Abteilung IV Gesundheit des Hessischen Ministeriums für Familie, Pflege, Sport und Gesundheit:  „Die Vitos Klinik Bamberger Hof hat in Frankfurt am Main schon früh Wege beschritten, die heute mehr denn je als richtungsweisend für eine moderne psychiatrische Versorgung gelten: die wohnortnahe Begleitung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, die Orientierung an Teilhabe und Selbstbestimmung sowie die enge Verbindung medizinischer und psychosozialer Unterstützung. Damit stand und steht nicht allein die Erkrankung im Mittelpunkt, sondern stets der Mensch mit seiner individuellen Lebenssituation“, so Sydow.

Erste Außenstelle des LWV Hessen

Am 1. Juli 1976 öffnete die „Außenstelle Bamberger Hof“ erstmals ihre Türen. Mit der Gründung setzte der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) gemeinsam mit der Stadt Frankfurt die Empfehlungen der Psychiatrie-Enquete um, die eine grundlegende Neuordnung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland einleitete. In den ersten Jahren war die Klinik in den Räumen eines ehemaligen Hotels und Restaurants in Frankfurt-Niederrad untergebracht – ein ungewöhnlicher, aber visionärer Schritt, der ein gemeindenahes und sozialpsychiatrisches Therapieangebot möglich machte. Damit wurde der Bamberger Hof zur ersten Außenstelle einer psychiatrischen Klinik des LWV.

„Der Bamberger Hof steht seit 50 Jahren für den Mut, Psychiatrie neu zu denken“, sagte Susanne Simmler, Landesdirektorin des LWV Hessen und Vitos Aufsichtsratsvorsitzende. „Die Klinik ist näher an den Menschen, offener, menschlicher und mit einem klaren Blick auf das, was Betroffene wirklich brauchen. Hier wurde früh verstanden, dass gute psychiatrische Versorgung weit mehr ist als medizinische Behandlung, denn sie bedeutet Würde, Vertrauen, Teilhabe und die Chance, auch in schwierigen Lebenssituationen Halt und Perspektiven zu finden. Dass aus einer damals visionären Idee eine Einrichtung mit bundesweiter Strahlkraft geworden ist, verdanken wir vor allem den Menschen, die diesen Weg über Jahrzehnte mit Haltung, Herz und fachlicher Exzellenz gestaltet haben. Der Bamberger Hof und die APAH zeigen eindrucksvoll: Wer den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellt, kann Versorgung verändern und Leben berühren“, so Simmler weiter.

Pionierprojekt Ambulante Akutbehandlung zu Hause (APAH)

1981 folgte die Erweiterung um eine der ersten psychiatrischen Tageskliniken Hessens. Weitere ambulante Angebote entstanden, während die stationären Betten schrittweise abgebaut wurden. Die „Klinik ohne Betten“ entwickelte sich zu einem Ort für Innovationen und neue Wege in der psychiatrischen Versorgung. Ein besonders zukunftsweisendes Projekt war 2000 die Einführung von APAH – der ambulanten Akutbehandlung zu Hause. Dieses Home-Treatment-Programm behandelt Menschen mit teilweise schweren psychischen Erkrankungen direkt in ihrem häuslichen Umfeld. Das Behandlungsmodell gilt als gute Alternative zum stationären Aufenthalt und hat sich inzwischen in ähnlicher Form in fast allen Vitos Kliniken etabliert. „Mit der Behandlung im häuslichen Umfeld schließen wir eine Versorgungslücke. Denn nicht für alle psychisch Erkrankten ist ein Klinikaufenthalt die beste Lösung – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Das hat die Vitos Klinik Bamberger Hof früher als andere erkannt. Eine echte Pionierleistung“, sagte Reinhard Belling, Vorsitzender der Vitos Konzerngeschäftsführung. Vitos betrachte die so genannte stationsäquivalente Behandlung (kurz: StäB) deshalb neben der stationären, tagesklinischen und ambulanten Behandlung auch als wichtige Säule in der psychiatrischen Versorgung.

Brückenbauer im psychosozialen Netzwerk Frankfurts

Heute befindet sich die Klinik Bamberger Hof mitten im lebendigen Frankfurter Nordend. Hier arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, Pflegekräften und Sozialarbeitenden Hand in Hand, um maßgeschneiderte Therapiepläne zu erstellen und Patientinnen und Patienten umfassend zu unterstützen. „Was uns auszeichnet, ist nicht nur die Behandlung der Erkrankung, sondern das Wahrnehmen der ganzen Person“, betonte Klinikdirektorin Dr. Sabine Kreß. „Wir behandeln keine Symptome, wir behandeln das Leben“, so Kreß. Mit gezielten Nachsorgeprogrammen, Gruppenangeboten und innovativen Therapiekonzepten begleitet der Bamberger Hof den Übergang zurück in den Alltag aktiv – und bleibt damit seiner sozialpsychiatrischen Gründungsphilosophie treu.

Frankfurts Stadtkämmerer Dr. Bastian Bergerhoff hob die Bedeutung der Klinik für die Stadt Frankfurt hervor: „Die Klinik Bamberger Hof ist ein wesentlicher Brückenbauer im psychosozialen Netzwerk von Frankfurt am Main. Seit einem halben Jahrhundert verbindet sie medizinische, psychotherapeutische und soziale Hilfen dort, wo Menschen in Krisen mehr brauchen als Einzelangebote – sei es rund um Geburt, Familie oder in interkulturell geprägten Lebenslagen. Insbesondere die peripartalen Angebote gewährleisten eine bestmögliche Versorgung für psychisch erkrankte werdende Eltern sowie Eltern von Babys und Kleinkindern. Ich hoffe, dass die Klinik Bamberger Hof auch in Zukunft diese zentralen Funktionen weiterhin einnehmen wird“, so Bergerhoff.

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