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Clusterkopfschmerz: Therapie wie maßgeschneidert

Dr. Böger: Sauerstoff hilft Cluster-Patienten

Ein Strahlen liegt auf dem Gesicht von Markus Herting als er den Aufenthaltsraum der Station 6 betritt: „Ich habe heute zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren durchgeschlafen“, sagt der gelernte Koch aus Zierenberg mit Tränen in den Augen. Herting ist chronischer Clusterkopfschmerz-Patient. Seine Erkrankung äußert sich durch in Attacken auftretende extrem heftige Schmerzen im Bereich von Schläfe und Auge, die immer nachts kommen und von Augentränen und Naselaufen begleitet werden. „Manchmal ramme ich mir in Verzweiflung einen Schraubenzieher in den Kopf oder werfe mich vor die Tür, um dagegen anzugehen. Du bist während dieser Attacken einfach nicht du selbst“, erklärt Herting. Im Sommer und im Herbst sei es besonders schlimm.

Die Schmerzen begannen bereits im Kindesalter. Da Herting sich schon damals immer wieder selbst verletzte, tippten die Ärzte auf eine psychische Erkrankung. In der Pubertät kam noch Epilepsie hinzu. Eine medizinische Odyssee folgte. Mehr als 30 Jahre wurde der 51-Jährige auf Migräne behandelt – und das fast ohne irgendeinen Erfolg. „Ich hatte den Glauben an die Ärzte komplett verloren und begann irgendwann, mir im Dark Net Betäubungsmittel zu besorgen – die ganze Palette rauf und runter. Nichts hat geholfen. Und mir ging es immer schlechter.“

Durch den Tipp einer Bekannten schließlich landete der Patient bei Dr. Andreas Böger in der ambulanten Sprechstunde. Mit einem unkomplizierten Test konnte der Schmerzmediziner seine Vermutung bestätigen: Herting litt an chronischem Clusterkopfschmerz. „Nach der Auftaktbehandlung damals war ich zum ersten Mal seit Jahren ohne Schmerzen. Aber noch wichtiger: Ich fühlte mich ernst genommen.“ Es folgte eine ambulante Therapie über drei Jahre.

Vor einigen Wochen kamen die nächtlichen schweren Attacken wieder. Schnell bekam der Schmerzpatient einen Termin für eine stationäre Behandlung im Schmerzzentrum der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel. „Am ersten Tag saß ich hier und hab‘ geheult. Vor Freude. Ich habe mich so sicher und aufgehoben bei diesem Team gefühlt. Jeder ist für mich da. Alle achten auf mich, haben Verständnis. Und vor allem: Sie kennen meine Krankheit und wissen, was mir hilft. Die Therapie fühlt sich an wie maßgeschneidert.“

Und wie kann man die fiesen Attacken behandeln? Böger: „Der Clusterkopfschmerz ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Sowohl zur Akutbehandlung als auch zur Prophylaxe setzen wir Medikamente und neue elektrische Stimulationsverfahren ein und vermindern damit die Intensität und Häufigkeit der Schmerzattacken deutlich. Im Anfall spielt zudem hochdosierter Sauerstoff eine entscheidende Rolle. Unser Ziel ist zum einen ein sicheres Verfahren zum Durchbrechen der Schmerzen, zum anderen eine Vorbeugung gegen die oft mehrfach pro Nacht auftretenden Attacken.

Der Cluster-Kopfschmerz gehört zu den schwersten Schmerzerkrankungen. In Deutschland sind zwischen 80.000-160.000 Personen betroffen, in Nordhessen 500-1.000. Im Durchschnitt dauert es 7 Jahre, bis die Diagnose gestellt wird, oft finden die Betroffenen einfach keinen Arzt, der sich mit Cluster auskennt. „Wir haben uns hier im Vitos Schmerzzentrum auf die Behandlung spezialisiert und sind bald auch eines von bundesweit nur 7 Clusterkopfschmerz-Competence-Center (CCC) – ein Titel, den der Bundesverband der Cluster-Kopfschmerz-Selbsthilfegruppen vergibt“, erklärt Dr. Andreas Böger.

März 2021

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