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Gedenkstunde von Vitos Rheingau für die Opfer der Krankenmorde

Datum:
Fachbereich:
Kinder- und Jugendpsychiatrie
Gesellschaft:
Vitos Rheingau gGmbH

Eltville, 1. September 2025 – auch in diesem Jahr fand auf dem Eichberg wieder eine Gedenkstunde statt, um an die Opfer der Krankenmorde zu erinnern. Anlass war der sogenannte „Euthanasie-Erlass“, der auf den 1. September 1939 zurückdatiert und von Adolf Hitler unterzeichnet wurde.

Eltville, 1. September 2025 – auch in diesem Jahr fand auf dem Eichberg wieder eine Gedenkstunde statt, um an die Opfer der Krankenmorde zu erinnern. Anlass war der sogenannte „Euthanasie-Erlass“, der auf den 1. September 1939 zurückdatiert und von Adolf Hitler unterzeichnet wurde. In dessen Folge wurden psychisch kranke und geistig behinderte Menschen auf systematische und grausame Weise ermordet.

Die damalige Landesheilanstalt Eichberg war maßgeblich an den Tötungen beteiligt und diente als Durchgangsstation nach Hadamar. Von 1941 bis 1945 war sie Sitz einer sogenannten „Kinderfachabteilung“, in der behinderte Kinder systematisch getötet wurden. Die Zahl der ermordeten Eichberger Patientinnen und Patienten wird auf über 5.000 geschätzt.

Die Gedenkfeier fand auf dem Eichberg in Eltville, am Gedenkstein neben der Kapelle, statt. Auch in diesem Jahr kamen wieder Mitarbeitende und Angehörige von Opfern und Vertreter/-innen aus Bürgerinitiativen zusammen, um an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen auf dem Eichberg zu erinnern. Nach der Begrüßung der Gäste durch die Klinikdirektorin der Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Eltville, PD Dr. Martina Pitzer, hielt Dr. Jochen Lehnhardt die diesjährige Gedenkrede. Dr. Jochen Lehnhardt ist promovierter Historiker und seit 2019 als stellvertretende Referatsleitung im Referat „Nutzung und Vermittlung“ beim Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden tätig.

Sein Vortrag behandelte drei konkrete Patientenschicksale von Kindern, die in der sogenannten „Kinderfachabteilung“ auf dem Eichberg ermordet wurden. So berichtete er von Rudi, der aufgrund seiner Beeinträchtigung bereits im Alter von drei Jahren in den Blick der Fürsorgestelle geriet und im November 1940 in die Nervenklinik Frankfurt eingewiesen wurde. Beschrieben wurde er als heiteres, lebensfrohes Kind, das viel lachte. Anfang 1941 erfolgte seine Verlegung auf den Eichberg. Aus seiner Akte geht hervor, dass ihm am 5. Mai 1941 Medikamente verabreicht wurden, an deren Folgen er zwei Tage später starb. Tragischerweise hatte seine Mutter noch am 6. Mai schriftlich um seine Entlassung gebeten. Statt einer Antwort erhielt sie die Todesnachricht und die Mitteilung, dass die Beerdigung ihres Sohnes am 10. Mai 1941 stattfinden werde.

Lehnhardt wies darauf hin, dass dieses und weitere Patientenschicksale in den Unterlagen des Hessischen Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden zu finden sind, welche der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Obwohl ein Großteil der Akten am Kriegsende vernichtet wurde, seien rund 40 Krankenakten von Kindern sowie Aufnahmelisten erhalten geblieben. Lehnhardt schloss seine Rede mit den Worten „Das Schicksal der hier ermordeten Kinder zeigt in aller Deutlichkeit, was passieren kann, wenn Menschen aus irgendwelchen Gründen zu „Anderen“ erklärt werden.“

Im Anschluss an die Rede wurde die Inschrift des Gedenksteins von zwei Patient/-innen der Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Eltville verlesen, anschließend legten die Gäste weiße Rosen auf dem Gedenkstein nieder.

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