
Riedstadt, 14. April 2024 – Die Ärztliche Direktion der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt hatte Akteure der weiterversorgenden Einrichtungen zu einem interdisziplinären Austausch, fachlichen Vorträgen und transparenten Führungen durch die Klinik eingeladen. Neben Rechtsgrundlagen, der Organisationsstruktur und Abläufen im Entlassmanagement bekamen die Teilnehmer/-innen Einblicke in das Sicherheitskonzept und Fallbeispiele. Ziel der Veranstaltung war es, Barrieren und Stigmata abzubauen, Transparenz zu fördern und durch den Dialog neue Perspektiven für das Entlassmanagement im Maßregelvollzug zu ermöglichen.
Eingeleitet wurde der erste „Entlassdialog“ durch eine umfassende Präsentation über den Maßregelvollzug. „Der hessische Maßregelvollzug ist im bundesweiten Vergleich zwar klein, aber effizient und schnell“, so der Ärztliche Direktor Walter Schmidbauer. „Durch eine qualitative und hochmoderne Behandlung ist die Unterbringungsdauer im Bundesvergleich eher kurz. Dabei steht der Schutz der Bevölkerung nach wie vor an zentraler Stelle.“, ergänzte der Stellvertretende Ärztliche Direktor PD. Dr. med. Christian Knöchel. Die langjährige Erfahrung zeige, dass eine angemessene Kriminaltherapie die Rückfallrate senkt. Damit leistet die Klinik einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Schutz der Bevölkerung.
Damit Patient/-innen, die durch die multiprofessionelle Therapie und individuelle Behandlung alle gestuften Vollzugslockerungen durchlaufen haben, auch entlassen werden können, muss das engagierte Entlassmanagement der Klinik einen Platz in einer weiterversorgenden Einrichtung für den Patienten oder die Patientin finden. Eingebrannte Stigmata erschweren die Suche nach einem Platz in einem Wohnheim oder einer Nachsorgeeinrichtung. Dabei bieten sich mehr Chancen als Risiken für die jeweiligen Institutionen. Das Team der Vitos Klinik ist sehr erfahren und sorgsam mit den Entlassvorbereitungen und allen dazugehörigen Anträgen und Dokumenten. Eine interne, erprobte Checkliste sorgt für maximale Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Während der gesamten Entlassung steht die Klinik den Nachsorgeeinrichtungen als verlässliche Ansprechperson zur Seite.
„Die Aufnahme von Patientinnen und Patienten aus dem Maßregelvollzug bringt für Wohneinrichtungen eine Reihe Vorteile mit sich. Eine Anfrage zur Unterbringung erfolgt grundsätzlich erst nach erfolgreichem Abschluss der therapeutischen Maßnahmen in der Klinik. Dies gewährleistet eine gezielte und vorbereitete Übergabe an die Wohneinrichtung.“, so Sozialarbeiterin Andrea Walldorf in ihrem Vortrag zum Entlassmanagement.
Auch aus finanzieller Sicht für Wohneinrichtungen interessant: Es werden sogenannte Freihaltekosten übernommen, was den Einrichtungen eine finanzielle Absicherung während der Vorbereitungszeit bietet.
Nastasja Keller, Mitarbeiterin des Entlassmanagements, führte aus: „Ein weiterer Vorteil ist die durchgehende fachliche Begleitung! Wir stehen sowohl für die betreuten Personen als auch für das Einrichtungsteam als erfahrene Ansprechpersonen zur Verfügung. Auch die medizinische und psychiatrische Nachsorge läuft reibungslos und in Notfällen ist immer jemand erreichbar. Die Betreuung wird zusätzlich durch klare Weisungen der Klinik unterstützt, was für Transparenz und Sicherheit sorgt. Bei Bedarf kann eine professionelle Krisenintervention schnell eingeleitet werden.“
„Sollte sich die Eingliederung in die Wohneinrichtung als nicht erfolgreich erweisen, ist eine sofortige Rückführung in die Klinik möglich.“, stellte Andrea Walldorf klar.
Transparente Einblicke und angeregter Austausch
Bei Führungen über einzelne Stationen und Bereiche stellte die Klinikleitung die klinischen Strukturen sowie gebäudetechnischen Ausstattungen und konzeptionellen Besonderheiten vor. Die Rückmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt, dass sie durch die Veranstaltung ein Verständnis für den Maßregelvollzug bekommen haben, was das berufliche Miteinander erleichtert.
„Der interdisziplinäre Dialog ist der Schlüssel zu einem reflektierten, professionellen Umgang mit hochkomplexen Aufgaben“, betonte die Klinikleitung am Ende der Dialogveranstaltung.
Mit dem Dialogformat setzt die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt ein klares Zeichen für Offenheit, Fachlichkeit und gegenseitiges Lernen im Gesundheitswesen.
Bild Download "Reger Austausch"
Bildunterschrift: Reger Austausch verschiedener Akteure der Nachsorgeeinrichtungen mit Mitarbeiter/-innen des Entlassmanagements und der Klinikleitung.
Bildunterschrift: (v.l.) Nastasja Keller und Andrea Walldorf, zwei Klinik-Mitarbeiterinnen, halten einen Vortrag zum Entlassmanagement der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt und beantworten Fragen der Teilnehmer/-innen.