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Tradition trifft Innovation: 50 Jahre Kinder- und Jugendpsychiatrie in Riedstadt

Datum:
Fachbereich:
Kinder- und Jugendpsychiatrie
Gesellschaft:
Vitos Südhessen gGmbH

Die Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt feiert Jubiläum und begrüßt neuen Klinikdirektor

Vitos feiert 50 Jahre Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit (KJP) Riedstadt und begrüßt den neuen Klinikdirektor Thilo Ast. Von links nach rechts: Dr. med. Annette Duve (Klinikdirektorin der KJP Riedstadt), Thilo Ast (Klinikdirektor der KJP Riedstadt), Jochen Schütz (Vitos Konzerngeschäftsführer), Ralf Schulz (Geschäftsführer Vitos Südhessen)

Am 15. Januar 1975 unter dem Namen „Klinik Hofheim“ gegründet, ist die heutige Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt in den vergangenen 50 Jahren nie stehen geblieben, sondern hat stets neue Maßstäbe gesetzt. Jetzt hat die Kinik das Jubiläum gemeinsam mit einem weiteren Meilenstein – nämlich der Begrüßung eines zweiten Klinikdirektors – gefeiert.

Der Festakt gab nicht nur Anlass zurückzublicken, Vergangenes zu bilanzieren und sich zu vergewissern: Wo stehen wir heute? Mit Thilo Ast wurde bei der Veranstaltung im Festsaal von Vitos Südhessen auch ein zweiter Klinikdirektor begrüßt. Er leitet seit März die Kinder- und Jugendpsychiatrie gemeinsam mit Dr. Annette Duve in einer Doppelspitze. Ralf Schulz, Geschäftsführer von Vitos Südhessen begründete diesen Schritt: „Um die Erfolge der vergangenen 50 Jahre auch weiter fortsetzen zu können, stellen wir unsere Kinder- und Jugendpsychiatrie rechtzeitig zukunftsfähig auf.“

Bereits einige Jahre vor der Gründung der Klinik in Riedstadt fasste die Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen im Jahr 1969 den Grundsatzbeschluss „Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der geistig und seelisch Behinderten und Suchtkranken in Hessen“, aus dem die Gründung der Sonderabteilungen für Kinder- und Jugendliche resultierten. „Somit hat sich der LWV bereits vor der Psychiatrie-Enquête auf den Weg gemacht, die psychiatrische Versorgung in Hessen zu reformieren“, zieht Landesdirektorin Susanne Simmler Bilanz.

Erste Aufgabe der Klinik bei ihrer Gründung war es, die Kinder- und Jugendlichen, die bisher in der Erwachsenenpsychiatrie behandelt wurden, zu übernehmen. Schon damals ermöglichte die Vielzahl der in der Klinik beschäftigten Berufsgruppen – von Ärzt/-innen und dem Pflegepersonal, über Psycholog/-innen, Sozialarbeiter/-innen, Heilpädagog/-innen, bis hin zu Erzieher/-innen, Ergotherapeut/-innen, Bewegungstherapeut/innen – eine Vielfalt an diagnostischen und therapeutischen Angeboten. Neben der stationären Versorgung vergrößerten in den folgenden Jahren drei Ambulanzen sowie drei Tageskliniken – jeweils in Heppenheim, Höchst im Odenwald und Riedstadt – das Behandlungsangebot für psychisch kranke Kinder und Jugendliche in Südhessen.

Seit 2016 nimmt die Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt gemeinsam mit dem Vitos Philippshospital Riedstadt, der Erwachsenenpsychiatrie am Standort, an einem Modellprojekt nach § 64 b SGB V teil. Dies ermöglicht für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine psychiatrische Versorgung, die sich noch mehr als bisher an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert. Je nach Bedarf können sie stationär, tagesklinisch, intensiv-ambulant oder auch zu Hause behandelt werden. „Die Klinik Hofheim hat sich von ihrer Gründung bis zur heutigen Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt nicht nur stetig weiterentwickelt, sondern immer wieder Innovationen vorangetrieben, wie es auch die Beteiligung an dem Modellprojekt zeigt. Und ich bin mir sicher, dass bereits an weiteren fortschrittlichen Ideen für die jungen Patientinnen und Patienten ‚getüftelt‘ wird“, so Landesdirektorin Simmler.

Damit die Klinikleitung ausreichend Kapazitäten hat, auch weiterhin bedarfsgerechte Angebote für Patient/-innen zu entwickeln und voranzutreiben, hat Vitos Südhessen die Klinikleitung nun breiter aufgestellt und die Funktion eines zweiten Klinikdirektors geschaffen. Mit Thilo Ast konnte für diese Stelle ein Chefarzt gewonnen werden, der bereits zuvor als Stellvertretender Klinikdirektor der Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Eltville bei Vitos beschäftigt war.

Nach seinem Medizinstudium in Mainz und der Facharztausbildung hatte er bereits früh die oberärztliche Leitung für zwei Stationen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Rheinhessen-Fachklinik Mainz übernommen. Bei Vitos durchlief er ein Personalentwicklungsprogramm, das Ärztinnen und Ärzte gezielt auf Führungsaufgaben vorbereitet. Jochen Schütz, Vitos Konzerngeschäftsführer Personal und Finanzen, freut sich, dass Vitos Thilo Ast eine Perspektive bieten kann: „Mit unseren Personalentwicklungsprogrammen wollen wir geeigneten Kandidaten die Möglichkeit zu einer Karriere bei Vitos bieten. Thilo Ast hat sich als Führungskraft bei Vitos bewährt, umso schöner ist es, dass wir ihm diese Chefarztposition in Riedstadt anbieten konnten.“

50 Jahre Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt bedeutet auch 50 Jahre Versorgung für psychisch kranke Kinder des Landkreises Groß-Gerau. Die Klinik bildet damit eine der zentralen Säulen der Gesundheitsversorgung im Kreis. Dies betont der Erster Kreisbeigeordnete Adil Oyan: „Sie leisten hier in Riedstadt Großartiges. Sie geben jungen Menschen Hoffnung, Perspektiven und die Chance, trotz psychischer Herausforderungen ein erfülltes Leben zu führen.“ Marcus Kretschmann, Bürgermeister der Büchnerstadt Riedstadt, geht noch einen Schritt weiter, wenn er hervorhebt, dass Klinik und Stadt keine hermetisch abgetrennten Bereiche sind. „Gerade das Miteinander ist beiden Seiten wichtig und schon lange gelebte Praxis in Riedstadt. Das gilt ganz besonders für die Kinder- und Jugendpsychiatrie.“ Und er ergänzt: „Wir als Stadt erleben die Kinder- und Jugendklinik als kompetenten Partner – so auch bei der guten Zusammenarbeit mit den kommunalen Kindertagesstätten oder den Grundschulen vor Ort.“

Doch nicht nur die Klinik musste sich in den vergangenen 50 Jahren diversen Herausforderungen stellen. Auch die Kinder und Jugendlichen selbst haben einige gesellschaftlich geprägte Veränderungen durchlebt. Die Bedürfnisse dieser Altersgruppe sind immer mehr in den Fokus gerückt und haben an Bedeutung gewonnen. So führte die Erkenntnis, dass psychisch kranke Heranwachsende ab ihrer Volljährigkeit nicht immer angemessen in der Erwachsenenpsychiatrie behandelt werden können und dadurch häufiger aus den etablierten Versorgungsstrukturen herausfallen, zur Gründung einer Adoleszentenstation. Dieses klinikübergreifende Kooperationsprojekt zwischen der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit der Erwachsenenpsychiatrie wurde im September 2020 im Rahmen des Modellprojekts ins Leben gerufen und mittlerweile in die Regelversorgung überführt. Behandelt werden junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz. „In den vergangenen Jahren haben wir unser Angebot in diesem Bereich mit einer ambulanten Sprechstunde ausgeweitet“, erläutert Dr. Annette Duve, Klinikdirektorin der Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt. „Die Adoleszentenstation ist mein Herzensprojekt und ich freue mich sehr, dass das Angebot so gut angenommen wird. Wir könnten sogar eine zweite Station eröffnen“, verdeutlicht sie. „Das Modellprojekt gibt uns die Möglichkeit, weitere innovative Behandlungsformen voranzutreiben. Gemeinsam mit Thilo Ast werden wir hier in den kommenden Jahren hoffentlich noch einiges bewegen können.“

Dem schließt sich auch der Pflegedirektor des Vitos Klinikums Riedstadt, Stefan Hedderich, an und begrüßt als Vertreter der größten Berufsgruppe von Vitos Südhessen den neuen Klinikdirektor herzlich im interprofessionellen Team. Sie gehören zwar unterschiedlichen Berufsgruppen an, „uns eint aber der gemeinsame Auftrag gegenüber den uns anvertrauten Patienten“, erläutert Hedderich. „Wir betrachten Interprofessionalität als Ort des persönlichen Lernens und des gegenseitigen Respekts aller beteiligter Professionen. Und nur gemeinsam werden wir die Herausforderungen der Schnittstellen oder überschneidenden Aufgaben überwinden.“ Auch er freut sich auf eine sehr gute Zusammenarbeit im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung und einer spannenden Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Eine Aufgabe, auf die auch Thilo Ast Lust hat. Denn als Doppelsitze können sie sich künftig noch effektiver für die Belange der Patientinnen und Patienten einsetzen und mit doppelter Kraft und Kreativität Veränderungen anstoßen. „Wir möchten damit auf die Herausforderungen für die Kinder und Jugendlichen und damit auch für die Kinder- und Jugendpsychiatrie unserer Zeit im Jahr 2025 innovativ reagieren.“ Ast bringt neue Schwerpunkte mit, die er in Riedstadt umsetzen und etablieren will. Als Beispiel sei die digitale Patientenplattform „Curamenta“ genannt, die bereits in der Erwachsenenpsychiatrie eingesetzt wird und nun in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eingeführt werden soll. Abschließend gab Thilo Ast einen kurzen Einblick in seine tiefe Überzeugung, aus der er seine Motivation zieht: „Ich sehe es als Privileg meines Berufs, Kinder und Jugendliche zu begleiten und ihnen helfen zu dürfen, das mich immer wieder neu motiviert, mich für unsere Patienten einzusetzen.“

 

Gruppenbild

Konzerngeschäftsführer Jochen Schütz begrüßt Thilo Ast

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