
Riedstadt / Eltville, 3. Februar 2026. Mit einem Festakt ist heute Walter Schmidbauer, Ärztlicher Direktor der Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie Eltville und Riedstadt, in den Ruhestand verabschiedet worden. Als sein Nachfolger wurde Privatdozent Dr. med. Christian Knöchel ins Amt berufen. Auch an der Spitze der Pflege gibt es Veränderungen: Matthias Heutz ist neuer Pflegedirektor.
Schmidbauer war seit 2013 Ärztlicher Direktor. Er verbesserte die Zusammenarbeit beider Kliniken, die ihre Pflege-, Behandlungs- und Eingliederungsplanung seither aufeinander abstimmen. Darüber hinaus trieb er die konzeptionelle Neuausrichtung beider Kliniken voran: Er führte ein multimodales Behandlungskonzept mit strukturiertem Risikomanagement ein, welches eine zeitnahe Wiedereingliederung der Patientinnen und Patienten in die Gesellschaft anstrebt. Schmidbauers Amtszeit war zudem geprägt von der Umsetzung umfangreicher, baulicher Entwicklungen an beiden Standorten. In Riedstadt wurde zwischen 2013 und 2015 unter seiner Leitung der erste Bauabschnitt der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt in Betrieb genommen, gefolgt vom zweiten Bauabschnitt, der von 2019 bis 2021 im laufenden Klinikbetrieb umgesetzt wurde. Mit Blick auf die Zukunft sprach sich Schmidbauer in seiner Abschiedsrede für eine stärkere Verzahnung der forensischen Psychiatrie mit der Allgemeinpsychiatrie aus – etwa durch Ausbau ambulanter und teilstationärer Behandlungsangebote mit klarem Fokus auf Risikomanagement. In diesem Zusammenhang initiierte er diverse Bauvorhaben, die nach Ende seiner Amtszeit abgeschlossen werden.
„Unter der Leitung von Walter Schmidbauer haben sich die beiden forensischen Kliniken enorm weiterentwickelt – sowohl baulich und strukturell, als auch mit Blick auf die Behandlung“, sagte Reinhard Belling, Vorsitzender der Vitos Konzerngeschäftsführung. So habe Schmidbauer unter anderem in Riedstadt ein offenes Behandlungsmodell mit Wohnheimcharakter geschaffen. „Davon haben vor allem die Patienten profitiert, die über lange Zeit in unseren Kliniken behandelt wurden. Ihnen konnten wir dadurch eine Perspektive zur Entlassung bieten – und damit zu einem Leben, dass nicht von Delinquenz und Krankheit bestimmt ist.“
Neuer Ärztlicher Direktor an den Standorten Eltville und Riedstadt
Walter Schmidbauers Nachfolge tritt Privatdozent Dr. med. Christian Knöchel an. Seine Laufbahn bei Vitos begann der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt forensischer Psychiatrie 2015 an der Klinik für forensische Psychiatrie Haina.
Es folgten Positionen als Oberarzt in der Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt und schließlich als stellvertretender Ärztlicher Direktor der forensischen Kliniken in Eltville und Riedstadt.
Neben seiner klinischen Arbeit ist er als forensischer Gutachter Supervisor für Gutachten tätig und unterrichtet deutschlandweit an Kliniken und Universitäten als Dozent, Lehr- und Weiterbildungsbeauftragter in den Bereichen forensische Psychiatrie, Psychiatrie und Pharmakologie. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit hat er mehr als 45 Publikationen, vorranging mit dem Schwerpunkt schizophrene Spektrumsstörungen und bipolar-affektive Störungen, veröffentlicht. Als Autor zahlreicher Fachbücher hat er sich darüber hinaus mit den Effekten von Sport und Bewegung auf die Psyche auseinandergesetzt.
Ein besonderes Anliegen von PD Dr. med. Knöchel ist die kontinuierliche Weiterentwicklung wissenschaftlicher Standards und die Verbesserung der Behandlung von Patientinnen und Patienten. Ein wichtiger Baustein hierfür sind zahlreiche nationale und internationale Kooperationen, etwa mit der Erwachsenenpsychiatrie des Universitätsklinikums Frankfurt sowie dem Centre for Neuropsychiatric Genetics and Genomics der Cardiff University in Großbritannien.
In den vergangenen Jahren hat er die Kliniken für forensische Psychiatrie Eltville und Riedstadt entscheidend mitgeprägt, etwa durch die Optimierung von Behandlungs-, Sicherheits- und Entlassungsstandards, die enge Zusammenarbeit mit Justiz, Pflege und Sozialdiensten, die Planung und Realisierung von vier Sicherungsmaßregelvollzugsstationen sowie die Entwicklung neuer Therapieansätze mit dem Schwerpunkt auf der teilstationären Behandlung.
Mit Blick auf die Weiterentwicklung der beiden Standorte in seiner neuen Funktion formulierte PD Dr. med. Knöchel in seiner Antrittsrede die Vision, die forensische Psychiatrie in den kommenden Jahren zu einem hoch spezialisierten Therapieumfeld weiterentwickeln, welches digital vernetzt sei und Sicherheit mit Resozialisierung verbinde. Dies könne nur durch technologische und bauliche Innovationen geschehen, die er in seiner neuen Rolle maßgeblich vorantreiben wolle. „Dabei wird die forensische Psychiatrie der Zukunft räumlich und funktional völlig neu gedacht, um den Spagat zwischen Hochsicherheit und Heilungsumfeld zu meistern. Wir wollen hierbei in Hessen als Vorreiter und Vorbild für forensische Kliniken in ganz Deutschland dienen“, so Knöchel.
Im Hinblick auf seine neue Führungsrolle betont PD Dr. med. Knöchel den besonderen Stellenwert von Kommunikation: „Effektive Kommunikation stellt einen zentralen Pfeiler in der modernen Mitarbeiterführung dar. Sie fördert Vertrauen, schafft Klarheit in Zielsetzungen und ist Voraussetzung für eine nachhaltige und erfolgreiche Zusammenarbeit.“
Führung verstehe er dabei nicht als Einzelentscheidung oder Anspruch auf vollständiges Wissen, sondern als die Fähigkeit, Kompetenzen zu bündeln und Menschen gezielt zusammenzuführen. Der Erfolg entstehe gemeinsam im multiprofessionellen Team, etwa durch die passende Besetzung von Rollen und einen offenen, wertschätzenden Austausch.
Neuorganisation der Pflegedirektion
Auch die Pflegedirektion hat sich neu aufgestellt: Matthias Heutz hat zum 1. Januar 2026 die Funktion des Pflegedirektors der Kliniken für forensische Psychiatrie in Eltville und Riedstadt übernommen. Gemeinsam mit Pflegedirektor Wolfgang Gunold bildet er bis zu dessen Eintritt in den Ruhestand zum 31. Dezember 2027 eine Doppelspitze. Dieses Führungsmodell ermöglicht eine schrittweise Übergabe der Verantwortung, sichert den Wissenstransfer und steht für Stabilität sowie Kontinuität in der pflegerischen Leitung.
Heutz war seit dem 1. September 2013 bei Vitos Südhessen in der Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt tätig. Nach seinem Einstieg als Gesundheits- und Krankenpfleger übernahm er zunächst die stellvertretende Stationsleitung, später die Stationsleitung und wurde 2020 zum stellvertretenden Pflegedirektor berufen.
In seiner Antrittsrede betont Heutz die Bedeutung einer werteorientierten Führung: „Ich bin der Überzeugung, dass wir als Führungskräfte und Menschen nur dann erfolgreich sind, wenn wir anderen mit Respekt und Empathie begegnen.“ Führung sei mehr als das Erreichen von Zielen – es gehe darum, authentisch zu bleiben und für das Wohl des Teams und gemeinsame Ziele einzutreten. Gerade im Pflegeberuf seien Menschlichkeit, fachliche Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein untrennbar miteinander verbunden. Pflege verstehe er nicht als reine Tätigkeit, sondern als Berufung, die kontinuierliche Reflexion, Integrität und ein gemeinsames Werteverständnis erfordere – sowohl im Umgang mit Patientinnen und Patienten als auch in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen.
Mit der Berufung von Privatdozent Dr. med. Christian Knöchel und Matthias Heutz setzt Vitos Südhessen ein klares Zeichen für die kontinuierliche Weiterentwicklung der forensischen Versorgung in der Region. „Die Verantwortung, die uns in der forensischen Psychiatrie täglich anvertraut wird, ist enorm. Diese Herausforderung erfordert nicht nur Fachkompetenz, sondern auch ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und Weitblick. Deshalb freue ich mich besonders, heute zwei hochqualifizierte Kollegen, die beide Vitos bereits bestens bekannt sind, in ihren neuen Funktionen willkommen zu heißen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam den Standort Riedstadt weiter voranbringen. Für sein herausragendes Engagement während seiner Amtszeit, in der er entscheidende Weichen für die zukünftige Ausrichtung gestellt hat, gebührt Walter Schmidbauer mein Dank“, so Ralf Schulz, Geschäftsführer von Vitos Südhessen.
Hintergrund zur Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt
Die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt ist eine Einrichtung des Maßregelvollzugs. Eine qualifizierte Behandlung von Straftätern ist der beste Schutz der Bevölkerung vor erneuten Straftaten. Das ist die Aufgabe der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt. Die Klinik behandelt erwachsene psychisch kranke Rechtsbrecher, die nach §63 Strafgesetzbuch untergebracht worden sind. Sie erfüllt den gesellschaftlichen Auftrag der Besserung, Sicherung und Rehabilitation der Patienten. Fachaufsichtsbehörde der forensischen Psychiatrien in Hessen ist das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport; Gesundheit und Pflege (HMFG) und Träger der Einrichtungen des Maßregelvollzuges ist die Vitos GmbH, die dem Landeswohlfahrtsverband Hessen (Zusammenschluss der kommunalen Gebietskörperschaften) gehört.
Die langjährige Erfahrung zeigt, dass eine angemessene Kriminaltherapie die Rückfallrate senkt. Damit leistet die Klinik einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Schutz der Bevölkerung.
Hintergrund zum Maßregelvollzug
In Hessen sind die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie mit dem Maßregelvollzug beauftragt.
§ 63 StGB: Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung, einer geistigen Behinderung oder einer Persönlichkeitsstörung eine Straftat begangen haben, werden von einem Gutachter dahingehend untersucht, ob sie zum Tatzeitpunkt nicht oder nur vermindert schuldfähig waren. Wenn das der Fall ist, und wenn aufgrund der Erkrankung weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind, weist sie das Gericht in eine Klinik für forensische Psychiatrie ein. Hier wird ihre Erkrankung ärztlich behandelt und eine sichere Unterbringung gewährleistet.
Hintergrund zur Vitos Südhessen
Vitos Südhessen verantwortet für Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene die qualifizierte Versorgung von Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen in Südhessen. Zu den beiden Hauptstandorten in Heppenheim und Riedstadt kommen dezentrale Tageskliniken, Ambulanzen und die „Behandlung Zuhause“ hinzu sowie die Betreuungsangebote für Klientinnen und Klienten der begleitenden psychiatrischen Dienste.
Vitos Südhessen betreibt in Heppenheim das Vitos Klinikum Heppenheim mit den beiden Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychosomatik. Die zugehörigen Tageskliniken und Ambulanzen befinden sich in Bensheim, Heppenheim und Lampertheim. Das Vitos Klinikum Riedstadt umfasst die zwei Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie für Erwachsenenpsychiatrie. Die jeweiligen Tageskliniken und Ambulanzen sind in Groß-Gerau, Heppenheim, Höchst im Odenwald, Rüsselsheim und Riedstadt gelegen. Zudem werden Patientinnen und Patienten stationsäquivalent von den Teams der „Behandlung Zuhause“ in ihrem häuslichen Umfeld betreut. Weiterhin zählt die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt zum Leistungsangebot von Vitos Südhessen. Die Vitos begleitenden psychiatrischen Dienste Riedstadt versorgen chronisch psychisch kranke Menschen mit Wohn-, Arbeits- und Freizeitangeboten.
Mit seiner mehr als 500-jährigen Geschichte steht Vitos Südhessen für die qualifizierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen im südhessischen Raum. Insgesamt verfügt Vitos Südhessen über 590 vollstationäre Betten, 156 vorgehaltene teilstationäre Plätze und 44 Akut-Ambulant-Behandlungsplätze (AAB). In den Vitos begleitenden psychiatrischen Diensten bietet Vitos Südhessen 142 Plätze. Mit fast 1.600 Mitarbeiter/-innen ist Vitos Südhessen einer der bedeutenden Arbeitgeber in der Region.




