Suche

Vitos erinnert an die Opfer der NS-Krankenmorde

Datum:
Gesellschaft:
Vitos Südhessen gGmbH

Mit dem Verlesen der Namen von 30 Opfern, dem Niederlegen weißer Rosen und einer Schweigeminute erinnerte Vitos Südhessen am 1. September an die Menschen, die während des Nationalsozialismus aufgrund psychischer Erkrankungen oder Behinderungen verfolgt und ermordet wurden.

Vitos erinnert an die Opfer der NS-Krankenmorde

Riedstadt, 1. September 2026 – Mit dem Verlesen der Namen von 30 Opfern, dem Niederlegen weißer Rosen und einer Schweigeminute erinnerte Vitos Südhessen am Dienstag an die Menschen, die während des Nationalsozialismus aufgrund psychischer Erkrankungen oder Behinderungen verfolgt und ermordet wurden.

Am Gedenkstein auf dem Gelände des Standorts Riedstadt versammelten sich Mitarbeitende, ehemalige Kolleginnen und Kollegen, geladene Gäste sowie junge Menschen aus der Region, um gemeinsam zu erinnern und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

Der 1. September gilt als zentraler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in der Psychiatrie. Zwischen 1933 und 1945 wurden hunderttausende Menschen mit psychischen Erkrankungen, Behinderungen oder Menschen, die nicht dem Ideal des nationalsozialistischen Regimes entsprachen, ausgegrenzt, zwangssterilisiert und ermordet. Auch Einrichtungen, die heute zu Vitos gehören, waren Teil dieses menschenverachtenden Systems.

Die Erinnerung an die Opfer der NS-Krankenmorde bleibt ein wichtiger gesellschaftlicher Auftrag. In einer Zeit, in der die Zahl der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kontinuierlich zurückgeht, gewinnt die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihren Lehren zunehmend an Bedeutung.

„Erinnerung ist keine Aufgabe der Vergangenheit, sondern eine Verantwortung in der Gegenwart“, sagte Peter Mann, Regionalleiter der Vitos Begleitenden Psychiatrischen Dienste. „Gerade in einer Zeit, in der Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung wieder sichtbarer werden, müssen wir uns bewusst machen, wohin die Entwertung von Menschen führen kann. Das Gedenken an die Opfer der NS-Krankenmorde ist deshalb auch ein Bekenntnis zu Menschenwürde, Respekt und Teilhabe.“

Zu den Gästen der Gedenkveranstaltung zählte auch die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychiatrie-Reformerin Dr. Maria Rave-Schwank aus Karlsruhe. Die ehemalige Ärztliche Direktorin des Vitos Philippshospitals Riedstadt richtete am Denkmal bewegende Worte an die Teilnehmenden. Für ihre Verdienste um die Psychiatrie wurde sie 2025 als erste Frau mit der Wilhelm-Griesinger-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ausgezeichnet. Seit vielen Jahren engagiert sich Dr. Rave-Schwank für die psychiatrische Ethik, Menschenrechte sowie die Aufarbeitung der Geschichte der Psychiatrie. Insbesondere die Auseinandersetzung mit den Medizinverbrechen der NS-Zeit und die Erinnerung an deren Opfer sind ihr bis heute ein wichtiges Anliegen.

Mit der jährlichen Gedenkveranstaltung stellt sich Vitos seiner historischen Verantwortung und setzt zugleich ein Zeichen für eine offene, vielfältige und inklusive Gesellschaft.
Die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit soll dazu beitragen, Ausgrenzung und Stigmatisierung auch heute entschieden entgegenzutreten.

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte beschränkt sich bei Vitos nicht auf den jährlichen Gedenktag. Einen dauerhaften Ort der Erinnerung bietet das Psychiatriemuseum am Standort Riedstadt.

Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Psychiatrie seit dem frühen 16. Jahrhundert, die Schicksale der Opfer der NS-Krankenmorde sowie die Entwicklung hin zu einer modernen, menschenwürdigen psychiatrischen Versorgung. Damit schafft das Museum einen wichtigen Ort des Erinnerns, Lernens und Nachdenkens. Besichtigungen, auch für Schulklassen, sind nach Vereinbarung möglich.

Sie verlassen die Website von Vitos

Wenn Sie auf Fortfahren klicken, werden Sie zu %s weitergeleitet. Dort können bei Ihnen Cookies gesetzt und Ihre personenbezogenen und ggf. sensiblen Daten von uns und dem Anbieter verarbeitet werden. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung für den jeweiligen Social-Media-Kanal.

Fortfahren