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Rollstuhl und Rollator Adé

Sabrina Brendel freut sich auf ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. „Mir wurde diese Umschulung vom Berufsförderungswerk Bad Vilbel empfohlen. Ich brauche einen Job, bei dem ich nicht lange auf einer Stelle stehen muss. Meine Beine werden dann schnell müde“, sagt die gelernte Friseurin. Heute kann sie wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken. Das war nicht immer so.

An einem Donnerstag im Oktober

Diesen Tag wird die heute 25-jährige gebürtige Schweizerin ihr Leben lang nicht vergessen. „Mein Lebensgefährte und ich hatten einen entsetzlichen Streit. Es flogen die Fetzen, und die Trennung stand im Raum. Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch und fing an zu hyperventilieren. Über eine halbe Stunde hechelte ich. Wir wussten uns nicht zu helfen. Plötzlich spürte ich meine Beine nicht mehr. Ab der Hüfte war ich gelähmt. Mein Partner rief einen Krankenwagen, der mich in die Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster brachte“, erzählt Sabrina Brendel, die in Usingen lebt.

Sechs Wochen im Rollstuhl

Nach dem ersten Schock, mit gefühllosen Beinen im Rollstuhl zu sitzen, wurden zunächst einmal alle neurologischen Untersuchungen gemacht: unter anderem MRT, CT und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Es gab keinen positiven neurologischen Befund, aber Sabrina Brendels Lähmung ging nicht zurück. Die Ärzte vermuteten eine psychosomatische Erkrankung und überwiesen sie an die Vitos Klinik für Psychosomatik Weilmünster.

„Ganze sechs Wochen wurde ich dort stationär und zwei Wochen in der Tagesklinik behandelt. Schon nach drei Wochen intensiver psychosomatischer Therapie konnte ich meine Beine das erste Mal ein wenig bewegen. Das Gefühl in den Beinen kam langsam, aber immer ein bisschen mehr zurück“, erinnert sich Sabrina Brendel. Nach sechs Wochen war es dann möglich, den Rollstuhl gegen einen Rollator einzutauschen. 

„Hier wurde mir geholfen“

Sabrina Brendel machte eine Psychotherapie, nahm an Einzel- und Gruppengesprächen, Mal- und Musiktherapie teil. Die begleitende Physio- und Bewegungstherapie konnte sie nur eingeschränkt wahrnehmen, da ihre Beine noch nicht so wollten wie sie. „Aber meine Mitpatienten waren alle sehr nett, haben mich in der Laufgruppe geschoben und mich überall hin mitgenommen“, schmunzelt sie. Allerdings ist die junge Frau auch eine Kämpfernatur. „Ich habe immer wieder selbst Übungen gemacht, bin an Stangen gelaufen und habe mich gequält, damit es vorangeht.“

Übeltäter „Verlustangst“

Ärzte und Therapeuten der Klinik kamen der Ursache für Sabrina Brendels Lähmungserscheinung auf die Spur. Sie leidet höchstwahrscheinlich unter einer Verlustangst mit Blick auf männliche Bezugspersonen. Extreme Verlustängste können massive körperliche Probleme provozieren. Und die junge Frau erinnert sich: „Die Angst, meinen Vater oder meinen Bruder zu verlieren, hatte ich schon in meiner Kindheit.“ Sabrina Brendel redet offen über diese Diagnose. Sie ist heute froh, dass sie weiß, was mit ihr los ist. Das wusste sie vor sieben Jahren nicht. Damals hatte sie nach einem fürchterlichen Streit mit ihrem früheren Freund auch schon mal einen Nervenzusammenbruch mit den gleichen Lähmungserscheinungen. „Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt mit intensiver Physiotherapie und anschließender Reha bin ich zwar wieder auf die Beine gekommen. Aber die Ursache meiner Gefühllosigkeit blieb im Dunkeln. Niemand kam auf die Idee, dass ein psychisches Problem der Übeltäter sein könnte“, erzählt sie.

Jetzt auch ohne Rollator

Aus der Klinik für Psychosomatik wurde sie nach acht Wochen noch mit einem Rollator entlassen. Aber schon gut einen Monat später konnte sie ohne Rollator gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten zu einem Spaziergang aufbrechen. Er ist ihr treu geblieben und mit ihr durch dick und dünn gegangen. Er war nicht nur in die Therapie in der Vitos Klinik für Psychosomatik einbezogen. Auch jetzt steht er Sabrina Brendel bei ihrer ambulanten Psychotherapie zur Seite.

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