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Gedenken in Hadamar und Weilmünster

Erinnerung: Anliegen und Auftrag

Die dauerhafte Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen ist Vitos Weil-Lahn und dem Landeswohlfahrtsverband Hessen Auftrag und Anliegen zugleich.

Die systematische Tötung von Behinderten und Geisteskranken im Nationalsozialismus gilt als eines der größten medizinischen Verbrechen aller Zeiten. Es ist schwer zu verstehen, dass die Aufarbeitung dieser Verbrechen, denen etwa 200.000 Menschen zum Opfer fielen, erst sehr spät begann. In der deutschen Nachkriegsgesellschaft bestand zunächst wenig Interesse, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Täter hatten den Krieg zum größten Teil überlebt und konnten ihre Karrieren anschließend oft unbehelligt fortsetzen. Nur wenige Mitwirkende wurden vor Gericht gestellt, und diejenigen, die verurteilt wurden, kamen meist vorzeitig aus der Haft frei. Gedenkorte und Gedenkausstellungen entstanden oft erst seit den 1980er Jahren durch Einzelinitiativen. Sie lebten in hohem Maße vom persönlichen Engagement vor Ort.

Auch in Hadamar und Weilmünster tat man sich mit dem Gedenken an die Opfer der NS-Zeit lange Zeit sehr schwer. Eine intensive Beschäftigung mit der eigenen dunklen Vergangenheit begann erst in den 1980er Jahren.

Für die Opfer der NS-Euthanasie-Verbrechen fanden nach Kriegsende zunächst Gedenkfeiern auf dem Anstaltsfriedhof statt. 1953 weihte Dr. Friedrich Stöffler, späterer Zweiter Landesdirektor des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV), ein Relief im Haupteingang der damaligen Landesheilanstalt Hadamar ein. Es war das erste Mahnmal für NS-Euthanasie-Opfer in Deutschland. 1964 ließ der LWV als Träger des Psychiatrischen Krankenhauses Hadamar den Anstaltsfriedhof in eine Gedenklandschaft umwandeln.

 

Gründung einer Gedenkstätte

Die Gründung der Gedenkstätte Hadamar – und damit der ersten deutschen NS-Euthanasie-Gedenkstätte – geht auf das Jahr 1983 zurück, als die historischen Kellerräume für Besucherinnen und Besucher geöffnet wurden. Ende der 1980er Jahre übernahm der LWV die Trägerschaft der Gedenkstätte und stattete sie mit Räumlichkeiten und Personal aus.

1990 wurde vor dem Hauptgebäude der ehemaligen Landesheilanstalt Hadamar eine Gedenkglocke eingeweiht, die auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten errichtet wurde.

Die Gedenkstätte befindet sich im Hauptgebäude der ehemaligen Landesheilanstalt Hadamar. Die historischen Örtlichkeiten bestehen aus

  • der ehemaligen Tötungsanlage im Keller – Gaskammer, Sezierraum und Standorte der Krematorien,
  • der ehemaligen „T4“-Busgarage – als einziger noch erhaltener Busgarage, die im Rahmen der „T4-Aktion“ Verwendung fand, und
  • dem früheren Anstaltsfriedhof.

Des Weiteren gehören heute eine Dauerausstellung, ein Archiv, eine Bibliothek und Seminarräume zur Gedenkstätte. Darüber hinaus sind in einer Datenbank namens „Opferliste" Informationen über alle in Hadamar ermordeten Opfer gesammelt. Ein auf ihren Daten beruhendes Gedenkbuch verzeichnet ihre Namen.

In Weilmünster gibt es auf dem Klinikgelände ein Mahnmal in Form einer Steingruppe. Ein Gedenkfriedhof liegt etwas außerhalb im Wald. Dort ist ein Gedenkstein mit Inschrift zu finden.

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