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Aktuelles (Pressemitteilungen)

Neue DBT-Therapeuten bei Vitos Herborn

14.03.2019

Erfreut nehmen Ärztin Monika Schmitz und Ergotherapeut Martin Schwarz die Glückwünsche von Klinikdirektor Prof. Dr. Ulrich Preuss (Mitte) entgegen.

Herborn, 14. März 2019 / Zwei Mitarbeiter der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Herborn haben sich erfolgreich zum Therapeuten für Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) weitergebildet. Die Therapie hilft Menschen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus.

Monika Schmitz arbeitet als Ärztin in der psychiatrischen Ambulanz, ihr Kollege Martin Schwarz ist Fachergotherapeut im Therapiezentrum des Klinikums. Beide sind von dem Erfolg der Dialektisch Behavioralen Therapie überzeugt und freuen sich, diese nach der Zeit des Lernens nun selbst anwenden zu dürfen. "Bei der DBT geht es unter anderem um die Verringerung des emotionalen Leidens, wobei die radikale Akzeptanz von traumatisierenden Erlebnissen aus der Vergangenheit eine wichtige Rolle spielt", sagt Schmitz, "besonders gut hierbei finde ich die Grundannahmen der DBT, die erklären, warum eine Patientin mit Borderlinestörung so handelt, wie sie handelt; also zunächst versucht mit selbstschädigendem Verhalten ein Ventil zu finden, um die massive innere Anspannung (das Hauptsymptom einer Borderlinestörung) zu reduzieren." DBT helfe dabei, durch das Erlernen alternativer Verhaltensweisen die Selbstkontrolle wieder zu erlangen, die Verantwortung für sich zu übernehmen und gefährliche oder sehr belastende Verhaltensweisen zu kontrollieren. "Diese Therapieform vereint viele interessante und unterschiedliche Therapiemethoden wie zum Beispiel Skillstraining, wo Fertigkeiten (Skills) vermittelt und geübt werden, die helfen, den Alltag und Krisensituationen besser zu meistern. Zum Beispiel lernen die Patienten, sich zu beobachten oder ihre Ängste wahrzunehmen, ohne zu flüchten oder sie festzuhalten. In Kombination mit Ergo-, Kunst- oder Bewegungstherapie führen die Übungen zu effektiven Ergebnissen", ergänzt ihr Kollege Martin Schwarz, "Alle unsere Patienten erhalten einen individuellen Behandlungsplan." Häufig bekomme er von ihnen die Rückmeldung, dass es sie enorm unterstütze, in so kurzer Zeit ein Werkzeug in die Hand zu bekommen, das dazu beitrüge, ihre Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit zu steigern.

"Wir wollen unseren Patienten Psychotherapieverfahren anbieten, die genau auf ihre Erkrankung abgestimmt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft wurde", sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Ulrich W. Preuss, "Ich bin dankbar, dass sich unser multiprofessionelles Behandlungsteam seit Jahren diesem Anspruch und der Ausbildung erfolgreich stellt", sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Ulrich W. Preuss.

WAS IST DBT?

DBT ist eine der derzeit erfolgreichsten Behandlungsmethoden in der modernen Psychiatrie. Das Prinzip dieser Therapie beruht auf der Balance zwischen Akzeptanz des Geschehenen und der Bereitschaft zur Veränderung. Die Abkürzung steht für Dialektisch-Behaviorale Therapie. Sie wird bei Menschen mit einer emotional instabilen Persön-lichkeitsstörung vom Borderline-Typus angewandt und weist eine hohe Wirksamkeit auf. Betroffene haben das Gefühl, emotional "Achterbahn zu fahren". Sie schwanken zwischen intensiv erlebten Emotionen mit hoher Anspannung und einer abrupt einsetzenden emotionalen Leere. Das löst häufig selbstschädigende Verhaltensweisen aus, zum Beispiel Schnitte an den Armen, Substanzmissbrauch oder Essstörungen. Auch Hochrisikoverhalten wie extrem schnelles Autofahren oder Balancieren auf Brückengeländern gehört zum typischen Krankheitsbild. Diese Verhaltensweisen führen zu einem erhöhten Suizidrisiko. Zur Behandlung dieser schweren seelischen Erkrankung entwickelte die amerikanische Psychologin Marsha Linehan die DBT. Sie fußt auf verhaltenstherapeutisch erprobten Verfahren, integriert aber eine Vielzahl von Strategien und Techniken anderer therapeutischer Schulen sowie die Achtsamkeitslehren des Buddhismus. Durch die Anwendung der DBT wird selbstschädigendes Verhalten reduziert, die Achtsamkeit für sich und andere erhöht. Die Betroffenen können so eigene Gefühle erkennen, steuern und verändern dadurch die individuelle Lebenssituation nachhaltig positiv. Mehr als 60 % von ihnen zeigen schon nach kurzer Zeit sehr starke Verbesserungen.

Hintergrund: Die Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herborn bietet DBT im stationären und ambulanten Setting an. Am Anfang der Behandlung steht eine ausführliche Diagnostik. Zudem klären die Therapeuten über Therapie, ihren Umfang und ihren Verlauf auf. Im stationären Bereich wird die Dauer der Behandlung geplant, sodass bereits zu Beginn die Entlassung oder das Ende der Therapie vorbereitet werden. Gemeinsam mit den Therapeuten der Klinik legen die Patienten die Therapieziele fest, die alle Beteiligten unterschreiben. Das DBT-Angebot ist eingebettet in die Abläufe der Station und ggf. weiterführenden Behandlung auf derselben Station im tagesklinischen Setting. Die Patienten erhalten einen individuellen Behandlungsplan mit den verschiedensten Therapieangeboten. In den Skillsgruppen (Skills = Fähigkeiten) trainieren Borderline-Patienten in einem strukturierten Ablauf Achtsamkeit, Stresstoleranz, Umgang mit Gefühlen, zwischenmenschliche Kompetenzen und Selbstwertgefühl. In der psychiatrischen Ambulanz gibt es das Angebot einer ambulanten Skillsgruppe, die einmal pro Woche stattfindet. Sie kann über den Zeitraum von bis zu etwa 18 Monaten besucht werden und festigt somit die erlernten Verhaltensweisen. Daneben erfolgt die ambulante psychiatrische Behandlung in Einzelgesprächen.