
Ein epileptischer Anfall, ist eine vorübergehende Störung der Gehirnfunktion, die durch eine abnormale elektrische Entladung von Nervenzellen entsteht. Dies kann zu verschiedenen Symptomen führen, wie beispielsweise Bewusstseinsverlust, Muskelkrämpfen und sensorischen Veränderungen. Die Symptome und deren Dauer können je nach Art des Anfalls variieren. Ab einer Dauer von 5 Minuten und länger spricht man vom „Status epilepticus“. Dabei handelt es sich um einen der häufigsten neurologischen Notfälle. Die ‚International League Against Epilepsy (ILAE)‘ hat 2015 die Schwelle, ab wann von einem Status epilepticus gesprochen wird, von 30 auf 5 Minuten gesenkt. Die Anpassung der Definition hat eine Forschergruppe der Klinik für Neurologie der Universität Marburg veranlasst, nach 10 Jahren zu prüfen, wie sich die Definitionsänderung auswirkt.
In einem Zeitraum von 18 Monaten wurden die Krankheitsverläufe von insgesamt 180 Patientinnen und Patienten mit Status epilepticus aus mittelhessischen regionalen Krankenhäusern untersucht. Mit dabei war auch die Vitos Klinik für Neurologie in Weilmünster. „In der Studie konnte festgestellt werden, dass die Zahl der jährlichen Inzidenz für einen epileptischen Status von 15,8 pro 100.000 Erwachsenen auf 29,4 pro 100.000 Erwachsene gestiegen ist“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Christoph Best, Klinikdirektor der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster. „Zum Vergleich können wir auf eine methodisch und regional identische Studie aus dem Jahr 1999 zurückgreifen. Damals galt noch die 30-Minuten-Definition.“
Die Studie zeigt zudem, dass die Zahl der Todesfälle bei Männern (30,9) höher als bei Frauen (28,1) ist, und sie steigt mit höherem Lebensalter. Auf die deutsche Gesamtbevölkerung hochgerechnet sterben jährlich in 20.000 Fällen eines Status epilepticus 1.000 Menschen. „Der Status epilepticus ist immer ein medizinischer Notfall und muss so schnell wie möglich medizinisch behandelt werden. Um keine Zeit zu verlieren, sollten Angehörige oder Passanten immer einen Notarzt rufen“, rät Priv.-Doz. Dr. Best.
Neurologische Kliniken wie die Vitos Klinik in Weilmünster sind auf die Behandlung von Epilepsie-Patient/-innen spezialisiert. Bei einem Status epilepticus steht zunächst die Unterbrechung des Anfalls mit Medikamenten im Vordergrund, gefolgt von der Behandlung der Ursache und gegebenenfalls engmaschiger Überwachung auf einer Intensivstation. Benzodiazepine sind in der Regel die Medikamente der ersten Wahl, gefolgt von anderen anfallssuppressiven Medikamenten. Bei sich wiederholenden längere Krampfanfällen kann eine intensivmedizinische Behandlung mit Narkosemitteln erforderlich sein.
Quelle: Menche M, Jünemann C, Reese J-P, Jünemann M, Teepker M, Best C, Roth C, Sünkeler I, Pryss E, Rosenow F, Strzelczyk A, Möller L, Habermehl L, Tsalouchidou P, Simon O, Kemmling A, Nimsky Ch, Timmermann L, Menzler K, Knake S. The impact of revised definitions on the epidemiology of status epilepticus: A population-based study. Epilepsia. 2025;00: 1-10. doi.org/10.1111/epi.18535