© Vitos Gießen-Marburg„Die Menschen, die hier einziehen, benötigen einen Ort, der ihnen Würde, Teilhabe und Geborgenheit ermöglicht. Akzeptanz und Unterstützung auf jeweils ganz individuelle Art und Weise stehen bei diesem Neubau an erster Stelle. Er soll ein Zuhause schaffen, das Sicherheit, Wärme und Lebensqualität schenkt und für moderne Versorgungsqualität steht“, sagte der Beigeordnete des Landeswohlfahrtsverbands (LWV) Hessen, Dieter Schütz. Er war in Vertretung der LWV-Landesdirektorin und Vitos Aufsichtsratsvorsitzenden Susanne Simmler zur Eröffnung gekommen.
Im Neubau finden 36 Menschen mit einer chronischen seelischen Erkrankung ein neues Zuhause auf Zeit. Darunter gibt es acht sogenannte geschützte Plätze für Menschen in psychischen Krisen sowie sechs Plätze für das ambulant betreute Wohnen.
Ein „Quantensprung“ für die BPD Marburg
„Für die Vitos BPD Marburg ist dieses Gebäude – das kann man so deutlich sagen – ein Quantensprung. Wir haben hier für die Bewohnerinnen und Bewohner ein Wohn- und Betreuungsangebot geschaffen, das sich ganz an ihren Bedürfnissen ausrichtet“, sagte Jochen Schütz, Vitos Konzerngeschäftsführer Personal und Finanzen.
Der Altbau im Marburger Vitos Park, in dem die BPD bislang untergebracht sind, stammt aus den 1930er Jahren und ist trotz regelmäßiger baulicher Anpassungen in die Jahre gekommen. Rund 7,3 Millionen Euro hat Vitos Gießen-Marburg in den Ersatzneubau investiert. Eine Investition, die nicht nur in ein Gebäude fließt, sondern gleichzeitig bessere Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe für die Bewohnerinnen und Bewohner schafft.
Einzelapartments mit eigenem Bad
Die größte Veränderung: Für jeden steht ein knapp 30 Quadratmeter großes Apartment mit eigenem Bad und Pantry-Küche zur Verfügung. Das sind ideale Bedingungen für die Arbeit der BPD – zielt sie doch darauf ab, die Selbstständigkeit der Bewohner/-innen so zu stärken, dass sie perspektivisch in eine eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft umziehen können.
Der Neubau bietet zudem eine große Selbstversorgerküche und mehrere Räume, die für die gemeinsame Gestaltung des Tages genutzt werden. Im Untergeschoss gibt es einen Fitness- und Ruheraum, noch dazu kann das Außengelände für gemeinsame Gartenprojekte genutzt werden.
Lange Planungsphase
Auch aus energetischer Sicht ist der Neubau auf dem neuesten Stand. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach wird rund 80 Kilowattstunden Strom erzeugen, zwei Luft-Wärme-Pumpen übernehmen das Heizen.
Dem Projekt sei eine lange Planungsphase mit vielen Hürden vorausgegangen, sagte Max Heuchert, Geschäftsführer von Vitos Gießen-Marburg. Umso schöner sei es zu sehen, dass sich der lange Atem der Beteiligten gelohnt habe: „Dieses Gebäude sieht auf den ersten Blick nicht nach ,Betreuung‘ oder ,Einrichtung‘ aus, sondern eher nach einem Ort zum Wohnen und für Gemeinschaft. Genau das soll es auch sein: Ein Ort, an dem Teilhabe gelebt werden kann.“
Hintergrund
Die Vitos begleitenden psychiatrischen Dienste Marburg betreuen Menschen, die aufgrund ihrer chronischen psychischen Erkrankung dauerhaft Unterstützung benötigen. Derzeit leben 25 Personen auf dem Marburger Vitos Gelände in der stationären Betreuung – der Fachbegriff dafür lautet Besondere Wohnform. Sie erhalten von einem Team aus Pflegekräften, Ergotherapeut/-innen und Sozialpädagog/-innen rund um die Uhr die notwendige Hilfe, um ihren Alltag zu bewältigen und mit ihrer Erkrankung leben zu können. Dabei geht es um Unterstützung in den Bereichen Wohnen, Beschäftigung, Tagesstruktur und Freizeitgestaltung, aber natürlich auch um psychosoziale Begleitung und Krisenprävention.
Seit 2014 bieten die BPD auch die sogenannte „ambulante Betreuung in der eigenen Häuslichkeit“ (betreutes Wohnen) an. Dabei leben die Klient/-innen größtenteils eigenständig, werden aber zu abgestimmten Terminen vom BPD-Team besucht und in den Lebensbereichen unterstützt, in denen sie Hilfe brauchen. Dass beide Angebote künftig unter einem Dach möglich sind, ist ein großer Vorteil für die Bewohner/-innen: Der Umzug ins betreute Wohnen kann angst- und barrierefrei erfolgen. Zudem gibt die Nähe zur Besonderen Wohnform die Sicherheit, in Krisen über 24 Stunden Hilfe zu bekommen.