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Eintauchen in die Geschichte der Vitos Klinik in Marburg

Datum:
Fachbereich:
Fachbereichsübergreifend
Gesellschaft:
Vitos Gießen-Marburg gGmbH

Der neu gestaltete Historische Pfad beleuchtet die Entstehung und Entwicklung des Psychiatriestandorts. Jetzt wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt.

Historischer Pfad Vitos Klinik Marburg
Blumen für Psychologin Hannelore Jansky, die zusammen mit dem ehemaligen Oberarzt Ulrich Oehlenschläger die Inhalte für den Historischen Pfad konzipiert hat, gab es von der Klinikleitung (hinten von links): Prof. Dr. Michael Franz, Ärztlicher Direktor, Max Heuchert, Geschäftsführer, und Achim Pex, Krankenpflegedirektor des Vitos Klinikums Gießen-Marburg.

Marburg, 8. April 2021. Der Historische Pfad im Vitos Park Marburg erzählt von der langen und wechselvollen Geschichte einer der ältesten psychiatrischen Kliniken Hessens. Vitos Gießen-Marburg hat den Pfad jetzt neu gestaltet und mit digital verfügbaren Zusatzinfos ausgestattet. So können Spaziergänger im Park auf eigene Faust in die Geschichte eintauchen.

Der Startpunkt befindet sich im Eingangsbereich des Geländes in Höhe des ehemaligen Pförtnerhäuschens (von Einfahrt Cappeler Straße kommend). 13 Schilder führen durch den Park und weisen Spaziergänger an markanten Punkten darauf hin, was sich hier in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten abgespielt hat. Mit Hilfe von QR-Codes auf den Schildern können per Smartphone Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stationen abgerufen werden.

Der Vorgänger der heutigen Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg wurde 1876 gegründet und galt in seiner Entstehungszeit als freieste Anlage in Deutschland. Zumindest erklärte das der erste Klinikdirektor Heinrich Cramer, ein Anhänger der sogenannten No-Restraint-Bewegung (Behandlung ohne Zwangsmittel). Für damalige Verhältnisse hatten die Gebäude eine sehr gute Ausstattung, außerdem wurde Wert auf die Gestaltung des Parks gelegt, der den Patienten ein unterstützendes Umfeld für ihre Heilung geben sollte.

Dunkle Kapitel im Dritten Reich

Doch der Historische Pfad beleuchtet auch dunkle Kapitel: So gab es auf dem Gelände ein Gebäude, in dem 1937 Zwangssterilisationen bei männlichen Patienten durchgeführt wurden. Grundlage dessen war das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Das Gebäude wurde später abgerissen, doch die Erinnerung an Unrechtstaten wie diese – dazu gehören natürlich auch die Euthanasiemaßnahmen im Dritten Reich, die für viele psychisch Kranke den Tod bedeuteten – wird durch den Historischen Pfad wachgehalten.

Auch die jüngere Geschichte hat beim geschichtlichen Spaziergang ihren Platz: So informiert der Pfad über den Pflegenotstand der 60er Jahre und den häufig wiederkehrenden Kampf der Klinik um ausreichend Mittel für die Patientenversorgung. Mit der Psychiatrie-Enquete von 1975 wurde dann die Basis für einen grundlegenden Wandel in der psychiatrischen Behandlung gelegt: Aus der „Anstalt“ wurde nach und nach ein modernes Krankenhaus, das sich heute mit Schwerpunktstationen und dem Einsatz neuester Verfahren in der Psychotherapie um Menschen mit allen Formen psychischer Erkrankungen kümmert.

„Die Geschichte ist ein Teil von uns“

„Der Historische Pfad zeigt deutlich, wie sehr das Leben und Wirken in der Klinik immer von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen abhängig war“, sagt Prof. Dr. Michael Franz, Ärztlicher Direktor des Vitos Klinikums Gießen-Marburg. „Diese Geschichte ist ein Teil von uns. Sie ermahnt uns. Aber sie bestärkt uns auch, nicht stehenzubleiben, sondern unser Therapiekonzept sowie die Organisation des Klinikbetriebs auf Basis neuer Erkenntnisse immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und zum Wohl unserer Patientinnen weiterzuentwickeln.“

Mehr Infos zum Historischen Pfad

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