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Frauen im Maßregelvollzug: Bessere Therapieerfolge durch eigene Station – 3. Hadamarer Fachtagung

Datum:
Fachbereich:
Forensische Psychiatrie
Gesellschaft:
Vitos GmbH

„Puzzled Women - Von der Fragmentierung zur Integration“
lautete der Titel der 3. Hadamarer Frauenfachtagung, die das Behandlungsteam der Frauenstation an der Klinik für forensische Psychiatrie (KfP) mit großem Engagement im Juni auf die Beine gestellt hatte. Etwa 160 Expertinnen und Experten aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich, um sich mit Traumatisierungen, Persönlichkeitsstörungen sowie Gesundheit und deren Förderung von Frauen im Maßregelvollzug auseinander zu setzen. Die frauenspezifische Betrachtung der Sucht- und Kriminaltherapie bildete den Schwerpunkt der Tagung. Als Ziel hatten die Teilnehmer vor Augen, die Behandlungsmöglichkeiten weiter zu optimieren. Neben Vorträgen ausgewiesener externer Referenten, kamen auch Mitarbeiterinnen des Hauses zu Wort, die mit Kurzreferaten über ihre Arbeit berichteten. Diese stießen in der Zuhörerschaft auf großes Interesse. Das bestehende Konzept – eine von Männern getrennte Unterbringung, die den Frauen einen Schon- und Schutzraum bietet, damit sie konsequent an ihren zugrunde liegenden Problematiken arbeiten können -, wurde von den Zuhörern honoriert und bestätigt.

Gipsplastik zum Thema der Tagung

Dr. Margarete Philipp, Initiatorin und leitende Abteilungsärztin der Frauenstation, zeigte in ihrem Vortrag auf, dass die Patientinnen, die aus der stationären Unterbringung regulär entlassen wurden, bis heute suchtmittel- und deliktfrei leben. Das ist ein großer Erfolg.
An diesem Erfolg ist maßgeblich die forensisch-psychiatrische Fachambulanz beteiligt, deren Arbeitsschwerpunkte die Sozialpädagogin Daniela Lambio in ihrem Referat anschaulich darstellte. Die Kunsttherapeutin Hildegard Schröder zeigte in einer kleinen Ausstellung von den Patientinnen gefertigte Plastiken und Bilder. Sie trug die Ergebnisse einer gemeinsamen Arbeit vor, die plastisches Arbeiten, Bewegung und Tanz vereinte. Die zum Teil lebensgroßen Gipspuppen wurden von den Patientinnen und Mitarbeiterinnen der Frauenstation im Rahmen einer Projektwoche angefertigt. Sie erfüllten nicht nur einen dekorativen Zweck, sondern zeigten die individuellen, zum Teil wiederentdeckten Fähigkeiten der Patientinnen, und gewährten einen Einblick in die Art, wie die Frauen sich selbst sehen.

Petra Jesse, Ergotherapeutin in der Klinik für forensische Psychiatrie, stellte das breit gefächerte Angebot der Arbeitstherapie vor und wies unter anderem auf schulische Maßnahmen hin: Einige Patientinnen haben erst kürzlich mit sehr gutem bis guten Ergebnis ihren Hauptschulabschluss nachgeholt. Insbesondere traumatisierte Menschen haben oftmals Schwierigkeiten, ihren eigenen Körper zu spüren. Darauf zielten die Sporttherapeutinnen Martina Hahn und Katja Schubert ab, die eindrucksvoll die Ergebnisse eines Tanzworkshops der Patientinnen präsentierten und eine Veränderung in der Körperhaltung und -wahrnehmung feststellten.
Die Frauenfachtagung bot den Raum, in einen regen Fach- und Erfahrungsaustausch zu gehen, den eigenen Horizont zu erweitern und nicht zuletzt interessante Anregungen aus den verschiedenen Vorträgen mitzunehmen. Aufgrund der positiven Resonanz und der breiten Themenvielfalt soll es in zwei Jahren eine vierte Auflage der Hadamarer Frauenfachtagung geben.

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