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Früh erkennen, gemeinsam handeln: Expertinnen und Experten beraten in Riedstadt über lösungsorientierte Vernetzung zur Prävention von Gewalt bei psychisch erkrankten Menschen

Datum:
Fachbereich:
Erwachsenenpsychiatrie, Forensische Psychiatrie, Fachbereichsübergreifend
Gesellschaft:
Vitos Südhessen gGmbH

Früh erkennen, gemeinsam handeln: Expertinnen und Experten beraten in Riedstadt über lösungsorientierte Vernetzung zur Prävention von Gewalt bei psychisch erkrankten Menschen

Früh erkennen, gemeinsam handeln: Expertinnen und Experten beraten in Riedstadt über lösungsorientierte Vernetzung zur Prävention von Gewalt bei psychisch erkrankten Menschen

Riedstadt, 7. Mai 2026 – Wie lässt sich Gewaltpotenzial bei psychisch erkrankten Menschen besser erkennen und verhindern? Dieser Frage widmete sich das Frühjahrssymposium des Vitos Philippshospitals Riedstadt am 6. Mai. Die Fachtagung brachte zahlreiche Expertinnen und Experten aus Psychiatrie, Maßregelvollzug, Justiz, Polizei, Politik und kommunalen Hilfesystemen zusammen – mit einem gemeinsamen Ziel: Sicherheit erhöhen, Versorgung verbessern und voneinander lernen.

 

Offener Austausch statt Tabus

Im Mittelpunkt stand die Botschaft, dass Gewalt im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen kein Randthema und kein Tabu, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Zugleich machten die Beiträge deutlich: Mit fachlichem Wissen, guter Vernetzung und frühzeitiger Unterstützung lassen sich Risiken deutlich reduzieren.

 

Die Veranstaltung wurde auch von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung begleitet – darunter Jutta Heye vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege sowie Adil Oyan, Erster Kreisbeigeordneter des Kreises Groß-Gerau. Ihre Teilnahme unterstreicht die Bedeutung des Themas für die gesundheitliche Versorgung und die öffentliche Sicherheit.

 

„Uns ist wichtig, offen und transparent über ein sensibles Thema zu sprechen“, betonte Dr. Ingo Weisker, Klinikdirektor des Vitos Philippshospitals Riedstadt. „Gewaltprävention gelingt nicht durch Schuldzuweisungen, sondern durch gute Behandlung, klare Strukturen und verlässliche Zusammenarbeit über Berufs- und Institutionsgrenzen hinweg.“

 

Risiken verstehen und frühzeitig handeln

Ein Schwerpunkt des Symposiums lag auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Einschätzung von Risiken sowie auf konkreten Präventionsansätzen. Dabei wurde deutlich, dass psychische Erkrankungen allein Gewalt nicht erklären. Entscheidend sind zusätzliche Faktoren wie fehlende Behandlung, soziale Isolation oder Substanzkonsum. Genau hier setzen moderne psychiatrische Konzepte an.

 

PD Dr. Christian Knöchel, Ärztlicher Direktor der Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie, erklärte: „Gewalt ist kein unveränderliches Merkmal einer Erkrankung. Wenn wir Risiken früh erkennen und konsequent behandeln, können wir Eskalationen häufig verhindern. Dafür brauchen wir Wissen, Erfahrung und eine enge Vernetzung aller Beteiligten.“

 

Warnsignale früh erkennen und Eskalationen vermeiden

Ein Thema des Symposiums war das sogenannte Bedrohungsmanagement – ein Ansatz, der gezielt darauf ausgerichtet ist, Warnsignale früh zu erkennen und Gewalttaten zu verhindern, bevor sie entstehen. Dabei geht es nicht um einzelne Täterprofile, sondern um das Verstehen von Entwicklungen und Verhaltensmustern, die auf eine mögliche Eskalation hinweisen können.

 

Fachlich wurde deutlich: Zielgerichtete Gewalttaten entstehen meist nicht spontan, sondern entwickeln sich schrittweise – von wahrgenommenem Unrecht über gedankliche Beschäftigung mit Gewalt bis hin zu konkreter Planung und Vorbereitung.  Genau hier setzt Prävention an: Wer diese Entwicklungen früh erkennt, kann gezielt eingreifen.

 

Vernetzte Prävention als Schlüssel

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei die enge Zusammenarbeit verschiedener Institutionen. Praxisbeispiele aus Deutschland zeigen, dass insbesondere regionale Netzwerke aus Polizei, Gesundheitswesen, kommunalen Behörden und sozialen Trägern dazu beitragen, Risikolagen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Solche Netzwerke ermöglichen einen niedrigschwelligen Austausch von Informationen, eine bessere Einschätzung von Gefahrenlagen und ein koordiniertes Vorgehen im Ernstfall. Ziel ist es, Unterstützung frühzeitig zu organisieren und Eskalationen zu verhindern, bevor es zu gefährlichen Situationen kommt.

 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Klinikalltag

Pflegekräfte stehen oft an vorderster Stelle, wenn es darum geht, Spannungen wahrzunehmen, Gespräche zu führen und deeskalierend zu handeln.

Aus Sicht der Pflege sei vor allem die Haltung entscheidend, so Stefan Hedderich, Pflegedirektor bei Vitos Südhessen: „Gewaltprävention beginnt im Alltag – mit guter Kommunikation, ausreichend Zeit für Beziehungsgestaltung und gut geschulten Teams. Wenn Pflege, Ärztinnen und Ärzte sowie andere Berufsgruppen eng zusammenarbeiten, profitieren davon alle: Patientinnen und Patienten ebenso wie die Mitarbeitenden.“

Das Frühjahrssymposium verstand sich bewusst als großes Netzwerktreffen. Neben Fachvorträgen bot es Raum für Austausch, Diskussion und gemeinsames Nachdenken über Lösungen. Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeindepsychiatrie, Kliniken, Justiz, Verwaltung und Politik diskutierten, wie Übergänge besser gestaltet und Versorgungslücken vermieden werden können.

 

Vitos setzt auf Transparenz und Verantwortung

Mit der Veranstaltung unterstreicht Vitos seinen Anspruch, fachlich fundiert, verantwortungsvoll und transparent mit einem gesellschaftlich sensiblen Thema umzugehen. Ziel ist es, Wissen zu teilen, Zusammenarbeit zu stärken und das Vertrauen der Öffentlichkeit sowie der Politik in eine moderne, präventiv ausgerichtete Psychiatrie zu fördern.

 

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Hintergrund zur Vitos Südhessen

Vitos Südhessen verantwortet für Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene die qualifizierte Versorgung von Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen in Südhessen. Zu den beiden Hauptstandorten in Heppenheim und Riedstadt kommen dezentrale Tageskliniken, Ambulanzen und die „Behandlung Zuhause“ hinzu sowie die Betreuungsangebote für Klientinnen und Klienten der begleitenden psychiatrischen Dienste.

Vitos Südhessen betreibt in Heppenheim das Vitos Klinikum Heppenheim mit den beiden Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychosomatik. Die zugehörigen Tageskliniken und Ambulanzen befinden sich in Bensheim, Heppenheim und Lampertheim. Das Vitos Klinikum Riedstadt umfasst die zwei Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie für Erwachsenenpsychiatrie. Die jeweiligen Tageskliniken und Ambulanzen sind in Groß-Gerau, Heppenheim, Höchst im Odenwald, Rüsselsheim und Riedstadt gelegen. Zudem werden Patientinnen und Patienten stationsäquivalent von den Teams der „Behandlung Zuhause“ in ihrem häuslichen Umfeld betreut. Weiterhin zählt die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt zum Leistungsangebot von Vitos Südhessen. Die Vitos begleitenden psychiatrischen Dienste Riedstadt versorgen chronisch psychisch kranke Menschen mit Wohn-, Arbeits- und Freizeitangeboten.

Mit seiner mehr als 500-jährigen Geschichte steht Vitos Südhessen für die qualifizierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen im südhessischen Raum. Insgesamt verfügt Vitos Südhessen über 590 vollstationäre Betten, 156 vorgehaltene teilstationäre Plätze und 44 Akut-Ambulant-Behandlungsplätze (AAB). In den Vitos begleitenden psychiatrischen Diensten bietet Vitos Südhessen 142 Plätze. Mit mehr als 1.600 Mitarbeiter/-innen ist Vitos Südhessen einer der bedeutenden Arbeitgeber in der Region.

 

Hintergrund zum Maßregelvollzug

In Hessen sind die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie mit dem Maßregelvollzug beauftragt.

§ 63 StGB: Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung, einer geistigen Behinderung oder einer Persönlichkeitsstörung eine Straftat begangen haben, werden von einem Gutachter dahingehend untersucht, ob sie zum Tatzeitpunkt nicht oder nur vermindert schuldfähig waren. Wenn das der Fall ist, und wenn aufgrund der Erkrankung weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind, weist sie das Gericht in eine Klinik für forensische Psychiatrie ein. Hier wird ihre Erkrankung ärztlich behandelt und eine sichere Unterbringung gewährleistet.

§ 64 StGB: Suchtkranke Menschen, die straffällig geworden sind und bei denen wegen ihrer Suchterkrankung erheblich Wiederholungstaten zu erwarten sind, werden in forensischen Kliniken für Suchtkranke eingewiesen. Voraussetzung ist die nötige Erfolgsaussicht der Suchttherapie. Die Behandlung suchtkranker Rechtsbrecher erfolgt in Hessen in den forensischen Klinken Hadamar und Bad Emstal. Bad Emstal versorgt schwerpunktmäßig Patienten aus den Landgerichtsbezirken Kassel, Marburg und Fulda. In Bad Emstal werden ausschließlich Männer behandelt.

Foto-Impressionen des Frühjahrssymposiums 2026

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