
Der Forensikbeirat der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal hat sich neu konstituiert. Als Vorsitzender einstimmig bestätigt wurde Bad Emstals Bürgermeister Daniel Rudenko, stellvertretende Vorsitzende ist Waltraud Mänz. Einen Einblick in den Klinikbetrieb gab Ärztliche Direktorin Birgit von Hecker in der Beiratssitzung, Florian Rupp, Geschäftsführer von Vitos Nordhessen, berichtete von geplanten Sanierungsmaßnahmen.
„Der Sanierungsstau macht sich mehr und mehr bemerkbar, vor allem durch die durchgehend hohe Belegung“, sagte von Hecker. Seien die Zimmer stets in Benutzung, sei eine Sanierung schlicht nicht möglich. In den Jahren bis 2029 sind nun verschiedene Modernisierungs-Vorhaben angedacht: So sollen nach und nach die Einzelzimmer der Rückverlegerstation mit Doppeltüren versehen werden. Eine Gittertür samt Durchreiche, nach außen eine Holztür. Auch sollen diese Räume mit bruchsicheren Möbeln, die besonders schwer sind, eingerichtet werden. Zudem gebe es noch einige Holzfenster in der Klinik. Sie sollen ausgetauscht werden und die Räumlichkeiten insgesamt renoviert werden. „Wir stehen dazu in gutem Austausch mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege“, so Florian Rupp. Noch in diesem Jahr, so der Wunsch, sollen die ersten Arbeiten beginnen.
Belegungszahlen sinken
Aus Klinik-Sicht sei das Jahr 2025 ein gutes gewesen, so Birgit von Hecker: Bedingt entlassen, also auf Bewährung, wurden 31 Patienten, bei 17 wurde die Maßregel erledigt und die Patienten wurden in die JVA verlegt. Sieben Entweichungen habe es gegeben im vergangenen Jahr. Fünf Männer seien bereits in der Dauerbeurlaubung gewesen, also nicht mehr in der Klinik untergebracht. Zwei seien aus dem Offenen Therapiebereich entwichen. Von den sieben Entweichungen befinden sich vier wieder in der Klinik. Delikte während der Abwesenheit sind nicht bekannt. Drei Patienten sind weiterhin flüchtig.
Nachdem die Belegungszahlen in den vergangenen Jahren stets gestiegen seien, sei nun eine Gesetzesänderung zu spüren, die 2023 in Kraft getreten ist. Seither würden in den Maßregel-Einrichtungen, die sich nach Paragraph 64 StGB um suchtkranke Rechtsbrecher kümmern, die Zahlen sinken. Anders in den Kliniken, in denen psychische kranke Rechtsbrecher behandelt werden (Paragraph 63). Dort würden die Zahlen weiter steigen. „Eine Klinikerweiterung wird derzeit nicht weiterverfolgt, weil sie seitens der Gemeinde politisch abgelehnt wurde. Dies wäre eine Chance gewesen, auch den Bereich nach Paragraph 63 zu entlasten und die Klinik qualitativ weiterzuentwickeln“, sagte Florian Rupp.
Die Ärztliche Direktorin berichtete in der Sitzung des Forensikbeirats zudem von einer Evaluation der forensischen Ambulanz. Seit dem Jahr 2016 hätten demnach 50 Prozent der Patienten, die von den Mitarbeitenden der Ambulanz in der Dauerbeurlaubung und nach der Entlassung im Rahmen der Führungsaufsicht begleitet werden, keinen Rückfall. Bei gut einem Viertel gebe es zwar Probleme, sie werden jedoch nach der Führungsaufsicht aus der Ambulanz entlassen. Ein weiteres Viertel erreicht nicht die Aussetzung zur Bewährung, aber nur 5% der Patienten werden mit einem Delikt rückfällig. „Das sind gute Zahlen“, sagte Birgit von Hecker. Dabei seien die Patienten tendenziell immer schwerer krank. Neben einer Suchterkrankung würden immer häufiger psychische Erkrankungen, beispielsweise Schizophrenie, diagnostiziert. Auch somatische Erkrankungen würden öfter festgestellt.
Eine Weiterentwicklung gibt es im therapeutischen Bereich: Mittels VR-Brille sollen die Patienten demnächst die Möglichkeit haben, sich in Alltagssituationen zu versetzen, beispielsweise auf Partys, um sich mit Konsumsituationen zu konfrontieren. „Davon versprechen wir uns einen wesentlichen neuen Therapieansatz.“
Hintergrund
Der Forensikbeirat ist ein Bindeglied zwischen Klinik und Öffentlichkeit. Dem Beirat gehören Mitglieder der Bad Emstaler Gemeindevertretung und des Gemeindevorstands an, Bürger/-innen, Vertreter von Kirche und Kur- und Gewerbeverein sowie der Polizei und des Vitos Konzerns. Die Beiratsmitglieder beraten und begleiten im Klinikbetrieb sowie bei der Weiterentwicklung.
In der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal sind maximal 92 Männer nach Paragraph 64 des Strafgesetzbuches untergebracht. Die suchtkranken Rechtsbrecher werden von einem multiprofessionellen Team aus Ärzt/-innen, Mitarbeitenden des Pflege- und Erziehungsdienstes, Psycholog/-innen und Sozialarbeiter/-innen sowie Arbeitstherapeut/-innen und Sporttherapeutinnen behandelt.