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Nur leichter Anstieg der Entweichungszahlen

Datum:
Fachbereich:
Forensische Psychiatrie
Gesellschaft:
Vitos Kurhessen gGmbH

Von den 2020 durchschnittlich 814 in den Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie (KFP) untergebrachten Patientinnen und Patienten sind acht aus Dauerbelastungserprobungen zur Vorbereitung auf die Entlassung und weitere acht während eines unbegleiteten Ausgangs entwichen. Es gab keine Ausbrüche (Überwinden von baulichen, technischen oder personellen Hindernissen) aus dem Maßregelvollzug. Die Zahl der Patienten, die sich unerlaubt entfernt hatten, ist im Vergleich zum Vorjahr um fünf Entweichungen gestiegen.

Auch in den Kliniken für forensische Psychiatrie galt es, die Hygieneauflagen zu erfüllen und Kontakte zu reduzieren. Für die Patientinnen und Patienten bedeutete das einen weitgehenden Verzicht auf Besuche und Beurlaubungen. „Damit die Patienten trotzdem den Kontakt zu Angehörigen und Freunden pflegen können, haben die Maßregelvollzugskliniken 2020 Video-Besuche eingeführt, die sie seitdem dauerhaft als zusätzliche Kontaktmöglichkeit nutzen können“, erklärt Reinhard Belling, Vitos Konzerngeschäftsführer.

Rückkehr der Patienten

Drei Patienten kehrten freiwillig zurück, neun wurden von der Polizei zurückgebracht. Vier der Patienten waren bereits am gleichen, einer am nächsten Tag, sieben nach mehr als einem Tag, vier noch nicht wieder zurück. Bei keinem der Patienten sind Delikte während ihres unerlaubten Fernbleibens bekannt. Die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie betreiben in Hessen aktuell insgesamt 882 Behandlungsplätze. Die Behandlungskapazitäten im Jahr 2020 waren zu rund 92 Prozent ausgelastet.

Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal
In der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal, einer Klinik für suchtkranke Rechtsbrecher (§64 StGB), kehrten drei Patienten nicht rechtzeitig aus der Dauerbelastungserprobung zur Vorbereitung auf die Entlassung in ihre Einrichtungen zurück. Ein Patient ist bislang noch nicht zurückgekehrt, drei waren am gleichen Tag zurück in der Klinik, zwei mit Polizeibegleitung, einer freiwillig. Fünf Patienten entwichen während ihrer unbegleiteten Ausgänge. Alle wurden von der Polizei in Zeiträumen zwischen am nächsten Tag, 19, 46, 60 und 176 Tagen in die Klinik zurückgebracht. Bei keinem der Patienten sind Delikte während ihrer Entweichungen bekannt. „Die Zahl der Entweichungen schwankt von Jahr zu Jahr leicht. Dabei handelt es sich um den Missbrauch von Lockerungsmaßnahmen. Das Sicherheitskonzept der Klinik ist nach wie vor funktional und hat sich auch unter Pandemiebedingungen bewährt“ erklärt Birgit von Hecker, ärztliche Direktorin der Klinik, die Zahlen.

Statistik: Entweichungsrate
Keine der 2020 aus Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie 16 Entweichungen fließt in den statistischen Bundesvergleich ein. Die Entweichungsrate pro 100 Belegungsfälle (Entweichungen geteilt durch die Durchschnittsbelegung mal 100) liegt für die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie 2020 bei 0 Patienten. Die bundesdurchschnittliche Entweichungsrate lag bei der letzten Datenerhebung 2019 bei 0,54 Patienten. Hessen liegt damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Hintergrundinformationen

Statistik: Entweichungen und Ausbrüche
Zum Bundesvergleich von Entweichungen und Ausbrüchen werden nur solche Ereignistypen als Entweichung gezählt, die wenig Interpretationsspielraum zulassen. Das sind Ausbrüche (Überwindung von baulichen, technischen oder personellen Hindernissen) und Entweichungen bei begleiteten Ausgängen. Missbrauch von Vollzugslockerungen sind meistens verspätete Rückkehrer aus unbegleiteten Ausgängen. Deren Zählweise ist aber je nach Bundesland bzw. Klinik unterschiedlich. Manche zählen ab der ersten Verspätungsminute, andere räumen eine gewisse Kulanz ein. Somit sind diese Daten nicht valide und werden nicht mehr berücksichtigt. Entweichungen aus der Dauerbeurlaubung zur Vorbereitung auf die Entlassung werden im Kerndatensatz nicht erfasst.

Maßregelvollzug
In Hessen sind die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie mit dem Maßregelvollzug beauftragt.

§ 63 StGB: Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung, einer geistigen Behinderung oder einer Persönlichkeitsstörung eine Straftat begangen haben, werden von einem Gutachter dahingehend untersucht, ob sie zum Tatzeitpunkt nicht oder nur vermindert schuldfähig waren. Wenn das der Fall ist, und wenn aufgrund der Erkrankung weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind, weist sie das Gericht in eine Klinik für forensische Psychiatrie ein. Hier wird ihre Erkrankung ärztlich behandelt und eine sichere Unterbringung gewährleistet.

§ 64 StGB: Suchtkranke Menschen, die straffällig geworden sind und bei denen wegen ihrer Suchterkrankung erheblich Wiederholungstaten zu erwarten sind, werden in forensische Kliniken für Suchtkranke eingewiesen. Voraussetzung ist die nötige Erfolgsaussicht der Suchttherapie.

Dauerbelastungserprobung (Entlassungsurlaub)
Der Entlassungsurlaub ist für die Wiedereingliederung eines Patienten in die Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Er findet in der Regel in einer Nachsorgeeinrichtung am Ort des zukünftigen Wohnortes statt. Bei dieser wichtigen Rehabilitationsmaßnahme soll sich der Patient über einen längeren Zeitraum (bis zu acht Monate) außerhalb der Einrichtung in relativer Selbstständigkeit bewähren. Eine Entweichung aus dem Entlassungsurlaub liegt dann vor, wenn er gegen Auflagen verstößt. Das heißt, wenn er Meldepflichten nicht einhält und für das Personal der forensisch-psychiatrischen Ambulanz nicht mehr erreichbar ist.

Vitos
Die Kernaufgabe von Vitos ist die Diagnostik und Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen, psychosomatischen und forensisch-psychiatrischen Kliniken. Mit 3.700 Betten/Plätzen ist das Unternehmen in Hessen größter Anbieter für die ambulante, teil- und vollstationäre Behandlung psychisch kranker Menschen.

In den Fachkliniken für Neurologie und Orthopädie behandelt Vitos 47.200 Patient/-innen ambulant und stationär. Für Menschen mit geistiger bzw. seelischer Behinderung, für die psychiatrische Reha und in der Jugendhilfe bietet Vitos 2.500 Plätze.

10.000 Mitarbeiter/-innen erwirtschaften an 114 Standorten in 75 Orten einen jährlichen Gesamtertrag von 700 Mio. Euro. Sie behandeln insgesamt 43.000 Patient/-innen stationär/teilstationär und 175.000 ambulant.

Vitos, das sind in Hessen 20 verbundene Unternehmen, davon 16 gemeinnützig. Sitz der Unternehmenszentrale ist Kassel. Alleingesellschafter ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen.

 

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