© Vitos NordhessenPraktische Einsätze gehören zur Ausbildung für angehende Pflegefachkräfte selbstverständlich dazu. Doch jetzt ging es für 14 junge Frauen und Männer einen Schritt weiter: Eine Woche lang haben die Azubis erstmals eine Station eigenständig organisiert. Sie haben Patientengruppen vorbereitet und angeleitet, Medikamentengaben bereitgestellt, die Behandlung dokumentiert und sich Zeit genommen für Gespräche mit den Patientinnen und Patienten.
Gleich am Montagmorgen ging es mit einer besonderen Aufgabe los: Eine Auszubildende leitete die sogenannte Skillsgruppe der Station 3.1 der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Kassel. In der Gruppe üben die Patient/-innen gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Pflege Strategien und Techniken, um Phasen hoher Anspannung zu meistern. Schon im Vorfeld hätten sie einen Wochenplan erstellt, auch um zu entscheiden, wer sich um was kümmert, sagt Lucija Matic. Die Auszubildende übernahm an den ersten beiden Tagen die Rolle der Stationsleiterin. Wer arbeitet im Früh-, Spät- und wer im Tagdienst, wer stellt Medikamente zusammen, wer hat die Möglichkeit, Patient/-innen beispielsweise zu einem Spaziergang zu begleiten, wer nimmt an den Übergaben teil, wer bereitet Gruppenangebote vor und leitet sie? Alle Aufgaben, die von den Kolleginnen und Kollegen der Station sonst übernommen werden, hatten in dieser Woche die Auszubildenden inne. „Das eigenverantwortliche Arbeiten in allen Rollen des Pflegeteams konnte so ausprobiert werden“, sagt Uta Hofmann, Leiterin der Schule für Gesundheitsberufe in Bad Emstal.
„Wissen unter realen Bedingungen einsetzen“
Im Vorfeld der Woche wurden die Auszubildenen sorgfältig vorbereitet. So war Stationsleiterin Anna Fischer während der Vorbereitungstage in der Schule in Bad Emstal, um die Station und die Arbeit dort vorzustellen. Ein paar Tage später waren die 14 jungen Leute ihrerseits in Kassel, um sich schon einmal die Station anzuschauen und die neuen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen.
Und natürlich waren die Auszubildenden die Woche über nicht allein auf der Station, sie wurden eng begleitet vom regulären Pflegeteam und unterstützt von den Praxisanleitern. Und dennoch: „Mit dem Projekt ,Auszubildende organisieren eine Station' geben wir unseren angehenden Pflegefachkräften die Möglichkeit, ihr Wissen unter realen Bedingungen verantwortungsvoll einzusetzen“, sagt Pflegedirektor Mario Reitze. Einer der wenigen Unterschiede zu den ausgelernten Pflegekräften: Die Azubis mussten keine Nacht- und Wochenend-Dienste übernehmen.
Dass von dem Projekt nicht nur die Lernenden profitieren, betonen Mario Reitze und Stationsleiterin Anna Fischer. Die Patientinnen und Patienten, die natürlich im Vorfeld über das Vorhaben informiert wurden, haben während der Projektlaufzeit noch mehr persönliche Kontakte: Jede/-r Auszubildende hatte einen fest zugewiesenen Patienten, ganz im Sinne der Bezugspflege, die auf der Station eine große Rolle spielt.
Für die Auszubildenden war die Woche ein besonderes Erlebnis. Im nächsten Jahr werden sie ihren Abschluss machen und nicht zuletzt auch durch dieses Projekt wird „ein guter Start in das Arbeiten nach dem Examen ermöglicht“, sagt Uta Hofmann. Und Pflegedirektor Reitze ist sicher: „Dieses innovative Format stärkt sowohl die fachliche Kompetenz als auch das Selbstvertrauen unsere Auszubildenden und trägt dazu bei, die Pflege von morgen aktiv und wertschätzend mitzugestalten.
Hintergrund
Auf der Station 3.1 der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Kassel werden vor allem Patient/-innen mit affektiven Störungen behandelt, bei denen also eine besonders euphorische oder besonders depressive Stimmungslage über längere Zeit hinweg bestehen bleibt. Die Station bietet Platz für 25 Patient/-innen.
An der Schule für Gesundheitsberufe in Bad Emstal werden zwei Ausbildungsgänge angeboten. Neben der dreijährigen generalistischen Ausbildung zu Pflegefachmann/-frau, die immer im Oktober beginnt, gibt es die einjährige Ausbildung zu Krankenpflegehelfer/-innen. Start hierfür ist immer im April und Oktober.