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"Update Psychiatrie und Psychotherapie"

Datum:
Fachbereich:
Erwachsenenpsychiatrie
Gesellschaft:
Vitos Gießen-Marburg gGmbH

Marburg, 23. Juni 2014 – Gut 100 Fachleute und Interessierte unterschiedlicher Fachdisziplinen nahmen am Freitag, 13. Juni 2014, am Symposium der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Standort Marburg teil.

Das multithematisch konzipierte Symposium "Update Psychiatrie und Psychotherapie" fand anlässlich des neu erschienenen Manuals „Psychiatrie und Psychotherapie“ (Matthias J. Müller, Siegfried Scharmann, KMV Verlag, 2013) statt. Aus der Forschung werden fortlaufend neue, versorgungsrelevante Erkenntnisse gewonnen. Das  Manual und das Symposium sollen helfen, evidenzbasierte Erkenntnisse möglichst rasch und handlungsorientiert in Klinik und Praxis anzuwenden. Der Ärztliche Direktor des Vitos Klinikums, Professor Dr. Dr. Dipl.-Psych. Matthias J. Müller, übernahm die wissenschaftliche Leitung und Moderation des Symposiums. Die Veranstaltung wurde vom Geschäftsführer der Vitos Gießen-Marburg, Marc Engelhard, und dem Krankenpflegedirektor des Vitos Klinikums Gießen-Marburg, Achim Pex, mit Grußworten eröffnet.

Im ersten Vortrag "Update Depression“ gab Dr. med. Siegfried Scharmann, Oberarzt für den Bereich affektive Störungen der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg einen Überblick über aktuelle neurobiologische Grundlagen und Forschungsansätze zur Entwicklung neuer Therapien bei depressiven Erkrankungen. Dr. Scharmann erörterte auch das individuelle Risiko im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken und wies hierbei besonders auf den Zusammenhang zwischen genetischer bzw. epigenetischer Vulnerabilität und psychosozialen Belastungsfaktoren hin. Er betonte die Wichtigkeit einer  individualisierten Psycho- und Pharmakotherapie der Depression und stellte neuere Antidepressiva und verschiedene Psychotherapieverfahren vor. Zum Abschluss seines Vortrags ging Scharmann auf das Thema "Psychotherapie als Telemedizin" ein, was ein gesundheitspolitisch bedeutungsvolles Thema im Hinblick auf psychotherapeutische Versorgungsengpässe darstellt. In diesem Kontext erwähnte er das Forschungsprojekt "Gesund bleiben online", ein Kooperationsprojekt der Philipps Universität Marburg mit der Vitos Klinik Marburg, das eine auf Internet und Telefon basierende Behandlung von Patienten mit depressiven Störungen nach einem stationären Aufenthalt anbietet.


Im zweiten Vortrag stellte  Dr. Dipl.-Psych. Gaby M. Bleichhardt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie und stellvertretende Leiterin der Psychotherapieambulanz der Philipps-Universität Marburg, das „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy" (CBASP) zur Behandlung chronisch depressiver Patienten vor. CBASP ist ein Behandlungsverfahren der sogenannten 3. Welle, bei dem unterschiedliche Ansätze verschiedener Therapieschulen in ein störungsspezifisches Psychotherapiekonzept integriert werden. CBASP wurde von Prof. James P. McCullough Jr. (deutsche Version: Schramm et al., 2006) an der Virginia Commonwealth Universität, USA, entwickelt. Frau Dr. Bleichhardt stellte dar, dass bei chronisch depressiven Patienten traumatisierende Beziehungserfahrungen in der Vergangenheit zu negativen Lernerfahrungen führen, die ihre Wahrnehmung der aktuellen Realität und das Erleben von zwischenmenschlichen Beziehungen stark beeinflussen. Hieraus ergibt sich u.a. eine Fokussierung auf negative interpersonelle Signale. Dies geht häufig mit Schwierigkeiten einher, im sozialen Kontext angemessen für seine Belange einzutreten, was bei den Patienten zu Misserfolgserleben und einem fortschreitenden Rückzug aus dem sozialen Umfeld führt. Anhand von Fallbeispielen erläuterte Frau Dr. Bleichhardt wie mittels verschiedener CBASP Therapieelemente Patienten ihre Wahrnehmungsentkopplung von der Umwelt überwinden und ihren eigenen „Stimuluswert“, d.h. den Einfluss, den sie auf ihre Umgebung ausüben, wieder erkennen lernen.


Über „Neuropsychologische Diagnostik bei dementiellen Syndromen“ referierte Dr. Dipl.-Psych. Anja Haag, Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg. Dementielle Syndrome finden im Zuge des demographischen Wandels weiter zunehmend Beachtung. Neben Gedächtnisstörungen sind im Rahmen eines dementiellen Syndroms auch weitere kognitive Domänen betroffen, die mit einer reduzierten Alltagsfunktionalität der Patienten einhergehen. Die Neuropsychologische Diagnostik stellt einen wichtigen Teil bei der Abklärung eines Demenzverdachtes dar. Frau Dr. Haag stellte verschiedene Screening-Verfahren wie den Mini-Mental-Status Test (MMST), den Uhrentests und den DemTect vor. Hierbei handelt es sich um Kurztests, die einer ersten Einschätzung von kognitiven Leistungseinbußen dienen sollen. Sie erläuterte exemplarisch Einsatzmöglichkeiten sowie Vor- und Nachteile dieser Verfahren. Im Folgenden ging Frau Dr. Haag auf die CERAD-Plus Neuropsychologische Testbatterie als Möglichkeit eine vertiefende Einschätzung verschiedener geistiger Funktionen vorzunehmen ein. Anhand von Fallbeispielen illustrierte sie unterschiedliche Ergebnisprofile, aus denen sich differentialdiagnostische Hinweise ergeben können und stellte in einem Überblick Forschungsergebnisse hierzu dar.


 Der Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik Gießen-Marburg, Prof. Dr. Dr. Dipl.-Psych. Matthias J. Müller, berichtete - auch als Mitglied einer mit dem Thema befassten Arbeitsgruppe der Deutsche Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) - abschließend zum Thema „Psychiatrische Notfälle: Systematik und Behandlung“. Professor Müller betonte die Häufigkeit psychiatrischer Notfälle, die in Deutschland etwa 10-15 Prozent aller Notarzteinsätze pro Jahr ausmachen. Die diagnostische Einordnung und akute Therapie sind stark auf die Leitsymptomatik des Patienten ausgerichtet. Professor Müller stellte hierzu prägnante und praxisorientierte Klassifikationshilfen dar: Ist der Patient hyperaktiv oder hypoaktiv? Liegt eine qualitative Störung der Bewusstseinslage vor und ergibt sich ein erhöhtes Eigen- oder Fremdgefährdungspotenzial? Diese sollen gerade bei der im Notfall oft unklaren Situation und unter Zeitdruck eine bessere Auswahl von Behandlungsmaßnahmen ermöglichen. Weitergehend stellte Professor Müller verschiedene medikamentöse Therapiemöglichkeiten und deren wissenschaftliche Evidenz gegenüber und ging gleichermaßen auch auf Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln bei der Behandlung des psychiatrischen Notfallpatienten ein.


Bereits während der Vorträge fand ein reger Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmern statt, welcher bei Getränken und einem Imbiss im Anschluss intensiv fortgeführt werden konnte.


Hintergrund
Die Vitos GmbH ist die strategische Managementholding von zwölf gemeinnützigen Unternehmen. Alleingesellschafter ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen. Die Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in psychiatrischen, psychosomatischen und forensisch-psychiatrischen Kliniken ist Kernaufgabe des Konzerns. Mit 3.363 Betten/Plätzen ist Vitos in Hessen größter Anbieter für die ambulante, teil- und vollstationäre Behandlung psychisch kranker Menschen.
Etwa 9.400 Mitarbeiter erwirtschaften jährlich einen Umsatz von rund 500 Mio. Euro. Sie behandeln 33.000 Patienten stationär bzw. teilstationär und 170.000 Patienten ambulant. Vitos ist in Hessen an 60 Standorten vertreten. In den Vitos Einrichtungen für Menschen mit geistiger bzw. seelischer Behinderung sowie der sozialpädagogischen Jugendhilfe stehen insgesamt 2.080 Plätze bereit. Die Fachkliniken für Neurologie und Orthopädie haben zusammen 305 Betten.


Vitos Gießen-Marburg
Vitos Gießen-Marburg gemeinnützige GmbH gehört als eine von zwölf gemeinnützigen Unternehmen zur Vitos Holding. Vitos wurde vom Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen im Jahr 2008 gegründet und ist der größte Anbieter psychiatrischer Krankenhausleistungen in Hessen.

Zu Vitos Gießen-Marburg gehören das Vitos Klinikum Gießen-Marburg mit den beiden Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen und Marburg, der Vitos Klinik Lahnhöhe in Marburg, der Vitos Klinik für Psychosomatik in Gießen sowie die Vitos Begleitenden psychiatrischen Dienste Marburg, die Vitos Übergangseinrichtung Gießen, die Vitos Schule für Gesundheitsberufe Oberhessen und das Vitos Medizinische Versorgungszentrum Gießen.

Hier kümmern sich über 1100 Mitarbeiter um das Wohl von Patienten und Bewohnern, etwa die Hälfte davon am Standort Gießen. Dazu zählen nicht nur Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger und andere Therapeuten, sondern auch Mitarbeiter in Verwaltung, Technik und vielen anderen Bereichen.

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