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Lumbale Spinalkanalstenose: Wenn längeres Gehen schwerfällt

Leitender Oberarzt Dr. Sebastian Siegert

Ein Interview mit Dr. Sebastian Siegert, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Leitender Oberarzt im Bereich Wirbelsäulenorthopädie der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel.

Was bedeutet lumbale Spinalkanalstenose?
Der Begriff beschreibt eine Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule. Gründe können Veränderungen des Knochens, der Bandscheiben, der Bandstrukturen oder auch Gelenks-Zysten sein.

Mit welchen typischen Beschwerden kommen die Patienten zu Ihnen?
Die meisten Patienten berichten, dass sie nach längerem Laufen stehen bleiben müssen, weil sie Rückenschmerzen und ausstrahlende Beschwerden in Gesäß und Beinen haben oder weil die Kraft fehlt. In späteren Stadien kann der Schmerz als Rücken-Bein-Schmerz auch in Ruhestellung auftreten. Bei hochgradig ausgeprägter Spinalkanalstenose sind auch Blasen-Mastdarm-Funktionsstörungen möglich.

Wer ist betroffen?
Die Verengung des Wirbelkanals ist ein weltweit verbreitetes Krankheitsbild. Jährlich zählen wir fünf Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner, dabei drei Mal mehr Frauen als Männer. Die zunehmende Bedeutung der Spinalkanalstenose hat auch mit der demografischen Entwicklung zu tun. Da Verschleiß die Hauptursache der Erkrankung ist, trifft sie Menschen häufiger, je älter sie werden.

Welche Ursachen gibt es außer dem altersbedingten Verschleiß?
Der Wirbelkanal kann auch durch besondere Belastung, durch Unfälle, Tumoren und Infektionen, durch Narbenbildung nach Operationen und bei Deformitäten, zum Beispiel Wirbelgleiten, verengt sein.

Kann man vorbeugen?
Das ist nicht ganz so einfach. Aber prinzipiell können Bewegung, Sport, gesunde Ernährung und ausgewogene Belastung unsere Wirbelsäule stärken, schützen und schonen.

Wie behandeln Sie konservativ?
Das geht ambulant oder auch stationär im Rahmen einer interventionellen Schmerztherapie. Dabei kommen verschiedene Behandlungen zum Einsatz: von Physiotherapie über medizinische Trainingstherapie (MTT), Rückenschule, physikalische Therapie, Medikamente, Infiltrationen an schmerzverursachenden Strukturen bis hin zur Zuhilfenahme von einer Orthese, von Kinesiotape und vieles mehr. Wir stimmen die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen individuell auf den Patienten ab.

Wann muss man operieren?
Zunächst wird die konservative Behandlung vollständig ausgeschöpft. Wenn aber die freie Gehstrecke des Patienten stetig abnimmt, Ruheschmerzen auftreten, neurologische Störungen wie Schwäche einer Muskelgruppe oder Blasen-Mastdarmstörungen auftauchen, kurz: wenn Anspruch und Beschwerdeausmaß des Patienten im Ungleichgewicht stehen, dann ist eine operative Versorgung erforderlich.

Wie lange sind die Patienten dann normalerweise in der Klinik?
Das hängt vom OP-Verfahren ab. In einem mikrochirurgisch assistierten Eingriff -  dabei ist ein hochleistungsfähiges Operationsmikroskop im Einsatz - erweitern wir den Spinalkanal und erreichen eine Entlastung des Kanals und der abgehenden Spinalnerven. Es kann auch eine Stabilisierung der betroffenen Bewegungssegmente erforderlich sein. Wenn möglich setzen wir dann ein beweglichkeitserhaltendes Schrauben-Stab-System ein. Manchmal ist jedoch auch ein versteifender Eingriff unumgänglich. Der stationäre Aufenthalt dauert entsprechend zwischen vier und acht Tagen. Die begleitende Physiotherapie beginnt direkt am Tag nach der OP. In der Regel geht es dem Patienten dann zügig besser und die alten Beschwerden lassen stetig nach.

Warum sind Spinalkanalstenose-Patienten bei Ihnen in guten Händen?
In unserer Fachklinik gibt es ein spezialisiertes Team für die konservative und die operative Therapie an allen Wirbelsäulenabschnitten. Operationen führen wir täglich mehrfach, standardisiert und mit Hilfe modernster Technik durch. Dabei sind nur erfahrene Operateure im Einsatz. 2019 zum Beispiel haben wir knapp 1.000 Patienten mit einer Spinalkanalstenose behandelt, mehr als die Hälfte zunächst konservativ. Die langjährige Erfahrung und kontinuierliche Schulung des gesamten Behandlungsteams und die Standardisierung der Abläufe sorgen für einen sicheren Ablauf der Therapie unserer Patienten. Dies und die gute Nachsorge – Überwachung nach der OP, Physiotherapie, Pflege et cetera – bewirken, dass Komplikationen äußerst selten vorkommen.

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