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Kalmenhof-Krankenhaus-Gremium hat seine Aufgabe erfüllt

Datum:
Gesellschaft:
Vitos Rheingau gGmbH

In der 13. Sitzung des Kalmenhof-Krankenhaus Gremiums wurde der Beschluss gefasst, das Gremium aufzulösen. Hintergrund hierfür ist ein von Gerhard Krum, dem Altbürgermeister der Stadt Idstein und Vorsitzenden des Gremiums, vorgelegter Beschlussvorschlag, welcher die Aufgabe des Gremiums als erfüllt ansieht und Vitos Rheingau auffordert, die Mitglieder von ihrer ehrenamtlichen Arbeit zu entbinden.

Die konstituierende Sitzung des Kalmenhof-Krankenhaus-Gremiums fand am 30. November 2016 statt. Auslöser zur Gründung war die in der Öffentlichkeit entstandene Empörung über die im Juli 2016 durch eine Immobilienanzeige bekannt gewordene Absicht, das Gebäude zu verkaufen. Das Gremium wurde daher beauftragt, Möglichkeiten der zukünftigen Nutzung zu prüfen. Dass diese Aufgabe nach vier Jahren intensiver Arbeit erfüllt ist, war sich das Gremium einig und folgte dem Beschlussvorschlag.

Dem Wunsch zur  Entbindung von der ehrenamtlichen Aufgabe kommt der Geschäftsführer von Vitos Rheingau, Servet Dag, nach: „Das Gremium hat Erstaunliches in seinem vierjährigen Bestehen geleistet und ich bin allen Mitgliedern für ihre wertvolle Arbeit sehr dankbar“, so Dag. „Meinen besonderen Dank möchte ich an Gerhard Krum richten. Er hat das Gremium auch durch herausfordernde Zeiten, in denen kontroverse Diskussionen geführt wurden, stets sehr gut geleitet und wurde dabei nie müde, auf den Kern unserer Arbeit hinzuweisen. Durch Herrn Krum haben wir stets wichtige Impulse für die Arbeit des Gremiums erhalten. Er hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass wir heute an diesem Punkt stehen und die Mitglieder von ihrer Aufgabe entbinden können“, führt Dag weiter aus.

Ein wichtiger Meilenstein für die Gremiumsarbeit war der 2017 von Vitos Rheingau in Auftrag gegebene Forschungsbericht, durchgeführt durch die Wissenschaftler Dr. Harald Jenner und Christoph Schneider. Der Bericht wurde 2018 im Rahmen einer öffentlichen Infoveranstaltung vorgestellt und veranlasste Vitos Rheingau dazu, die in 2019 und 2020 durchgeführten Bodenuntersuchungen und Feststellungsgrabungen in Auftrag zu geben. Diese sollten Klarheit über die Existenz möglicher Grablagen geben. Die Feststellungs-grabungen wurden durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und das Landesamt für Denkmalpflege und Hessen-Archäologie begleitet und ohne Befund auf den privaten Grundstücken abgeschlossen.

Der Forschungsbericht bildete ebenfalls die Basis, um über Nachnutzungsmöglichkeiten des ehemaligen Kalmenhof-Krankenhaus-Gebäudes dezidierter zu beraten. So führte Vitos Rheingau 2019 eine Zukunftswerkstatt durch. Mit Unterstützung der Idsteiner Bevölkerung wurde an der Ideenfindung zur zukünftigen Nutzung des Kalmenhof-Krankenhaus- Gebäudes gearbeitet.

Diese und weitere Punkte bilden einen Teil des Beschlusses, welcher in der letzten Sitzung des Kalmenhof-Krankenhaus-Gremiums diskutiert und mehrheitlich gefasst  wurde. Zudem leiten sich aus dem Beschluss weitere Handlungsempfehlungen ab, gerichtet an die Träger des ehemaligen Kalmenhof-Krankenhaus-Gebäudes, Vitos Rheingau und den LWV, und auch an die Stadt Idstein.

Eine zentrale Handlungsempfehlung betrifft die zukünftige Nutzung des Kalmenhof-Krankenhaus-Gebäudes. Da in Folge der Ergebnisse aus der Zukunftswerkstatt auch nach intensiven Bemühungen keine Investitionspartner gefunden wurden, stellt sich Vitos nun selbst der Verantwortung und wird die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt berücksichtigen. Angestrebt wird eine interne Lösung, bei der eine soziale Nachnutzung unter Beachtung eines Gedenk- und Bildungsortes möglich ist.  Derzeit findet eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie statt, die Ergebnisse werden voraussichtlich im Frühjahr 2021 vorliegen.

Ein weiterer Punkt aus dem Beschluss ist die Empfehlung, das bestehende Gräberfeld des „Kalmenhof-Friedhofs“ genau abzugrenzen und einen Ort des würdigen Gedenkens zu schaffen. „Die genauen Ausmaße des  Gräberfeldes zu kennen, ist für den LWV vordringlich, daher sind wir in Gesprächen mit dem Regierungspräsidium Darmstadt, dem Innenministerium und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, betont Landesdirektorin Susanne Selbert. „Auf dieser Basis werden wir den Gedenkort neu gestalten.“

Die Stadt Idstein sieht die Aufgabe des Gremiums ebenfalls als erfüllt an und reagiert positiv auf den Beschluss, die Gremiumsmitglieder von ihrer Aufgabe zu entbinden. Der Beschluss formuliert auch konkrete Empfehlungen an die Stadt Idstein, unter anderem zu einem würdigen Gedenken in der Stadt. Das Gremium schlägt vor, auf dem städtischen Friedhof einen von der Kriegsgräberstätte getrennten, eigenen Gedenkort zur Erinnerung an die ca. 300 dort und die ca. 50 auf dem Jüdischen Friedhof beerdigten Euthanasieopfer zu schaffen. „Wir begrüßen die Empfehlungen, die erarbeitet wurden. Die Stadt Idstein hat bereits erste Gespräche mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aufgenommen und um einen Vorschlag für ein Gedenkkonzept auf dem städtischen Idsteiner Friedhof gebeten. Sobald konkrete und mit den zu beteiligenden Fachstellen abgestimmte Vorschläge vorliegen, werden wir diese in den städtischen Gremien beraten“, so Bürgermeister Christian Herfurth.

Auch wenn die Gremiumsmitglieder von ihrer Arbeit entbunden sind, so zeichnet sich nach der letzten Sitzung ab, dass der gemeinsam eingeschlagene Weg zur Schaffung eines würdigen Gedenkens in der Nachnutzung des Kalmenhof-Krankenhaus-Gebäudes und in der Stadt Idstein in gleicher Richtung weitergegangen wird.

Krum sieht darin einen Ausdruck der bewährten Kooperationsbereitschaft des LWV und seiner gemeinnützigen Gesellschaften mit der Stadt, zugleich aber auch eine Aufgabe der Stadtgesellschaft. „Denn auch 80 Jahre nach den in Idstein begangenen Euthanasieverbrechen besteht weiterer Aufarbeitungsbedarf. Und so sehr wir den Opfern das Wachhalten der Erinnerung an ihr Schicksal schuldig sind, so sehr bedeutet ‚Nie wieder‘ eine Mitverantwortung, den jetzt im Kalmenhof betreuten Menschen ein möglichst normales Leben in unserer Mitte zu ermöglichen“.

Den Beschluss des Kalmenhof-Krankenhaus-Gremiums können Sie unter folgendem Link einsehen.

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